Der gebürtige Berliner Carl Ludwig Willdenow – Begründer der Disziplin „Pflanzengeschichte“

Carl Ludwig Willdenow war ein deutscher Botaniker und Biologe, der sich vor allem mit der Beschreibung und Klassifikation von Pflanzen befasste. Er legte wichtige Grundlagen für die Entwicklung der Phytogeographie, einer neuen Disziplin, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand. Mehr über das Leben und die wissenschaftliche Arbeit dieses Berliner Wissenschaftlers erfahren Sie auf berlinname.eu.

Leidenschaft für die Wissenschaft

Carl Ludwig Willdenow wurde von seinem Vater, Carl Johann Willdenow, einem Berliner Apotheker, an die Pflanzenkunde herangeführt. Auch der Botaniker Johann Gottlieb Gleditsch und der Chemiker Martin Heinrich Klaproth, ein Freund seines Vaters, prägten seine Ausbildung. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Berlin absolvierte Willdenow ab 1785 eine pharmazeutische Ausbildung bei Johann Christian Wiegleb in Langensalza. 1789 promovierte er in Medizin an der Universität Halle. Ein Jahr später heiratete er Henriette Louise Habermas und übernahm die väterliche Apotheke in Berlin.

Zu dieser Zeit führte Willdenow bereits botanische Lehrveranstaltungen und Exkursionen in Berlin und Umgebung durch. 1788 begegnete er Alexander von Humboldt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft und wissenschaftliche Zusammenarbeit verband.

Ein neuer Lehrbuch-Klassiker

1792 veröffentlichte Willdenow „Grundriss der Kräuterkunde“, ein neues botanisches Lehrbuch, das die veraltete „Philosophia Botanica“ von Linné ersetzen sollte. Dieses Werk war äußerst erfolgreich und wurde mehrfach in verschiedenen Sprachen neu aufgelegt.

Sein wachsendes Renommee als Biologe führte 1794 zur Aufnahme in die Berliner Akademie der Wissenschaften. 1798 wurde er Professor für Naturgeschichte am Berliner Medizinisch-Chirurgischen Kollegium. 1801 übernahm er die Position des Kurators am Botanischen Garten Berlin, den er zu einem der umfassendsten in Europa ausbaute. Er fügte der Sammlung zahlreiche exotische Pflanzenarten hinzu und erweiterte seinen eigenen Herbarbestand auf über 20.000 Exemplare, die heute im Botanischen Garten Berlin aufbewahrt werden.

Entstehung einer neuen botanischen Disziplin

Willdenow lebte in einer Zeit intensiver geographischer Entdeckungen. Obwohl er selbst kaum über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus reiste, stand er in regem Austausch mit Forschern, die ihm botanische Proben aus aller Welt zusandten. So erhielt er von Humboldt fast 400 Pflanzen, die dieser 1799 in Spanien gesammelt hatte.

Seine eigene Forschung war primär taxonomisch, doch erkannte Willdenow, dass Pflanzen auch geographischen Mustern folgen, und befürwortete eine systematische Erforschung der Verbreitungsgebiete in Zusammenhang mit klimatischen, geographischen, geologischen und anderen Faktoren. Er schlug vor, diese Disziplin als „Pflanzengeschichte“ zu bezeichnen.

Ein Leben für die Botanik

1810 reiste Willdenow nach Paris, um Humboldt zu unterstützen, musste die Arbeit jedoch aufgrund einer Krankheit abbrechen und nach Berlin zurückkehren. Im selben Jahr wurde er zum Professor für Botanik an der neu gegründeten Berliner Universität ernannt. Noch bevor er seine Aufgaben dort aufnehmen konnte, verstarb er.

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