In Kreuzberg, inmitten der dichten städtischen Bebauung und des ständigen Lärms von Berlin, gibt es einen faszinierenden Ort, der hauptsächlich den Einheimischen bekannt ist. Es handelt sich um den Kinderbauernhof am Mauerplatz, der sich im Innenhof von Hochhäusern befindet und einen erstaunlichen Kontrast bildet: Nur wenige Schritte von der lauten Straße entfernt eröffnet sich ein Raum mit einem völlig anderen Leben. Mehr dazu auf berlinname.eu.
Dies ist kein Park im klassischen Sinne und auch kein gewöhnlicher Vergnügungsort. Es handelt sich um eine Stadtfarm in Berlin, die Familien mit Kindern besuchen, um Tiere nicht wie „Ausstellungsstücke“ hinter Zäunen zu betrachten, sondern in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Genau deshalb wird der Mauerplatz nicht als Attraktion wahrgenommen, sondern als ein Teil der Stadt, der plötzlich ein völlig anderes Berlin zeigt.
Kinderbauernhof Mauerplatz in Berlin: Geschichte seit 1981

Der Bauernhof am Mauerplatz ist der älteste der Hauptstadt und entstand 1981, als die Berliner Mauer die Stadt noch teilte und ihren Rhythmus bestimmte. Damals beschlossen die Bewohner von Kreuzberg, etwas in Angriff zu nehmen, das in der städtischen Landschaft fast unmöglich erschien – ein kleines Landgut zu schaffen. In Eigenregie bauten sie Gehege und Wirtschaftsgebäude, richteten den Lebensraum für die Tiere ein und verwandelten ein verlassenes Grundstück in einen lebendigen Bauernhof. In den 2020er Jahren ist der Mauerplatz ein gemütlicher Innenhof eines gewöhnlichen Mehrfamilienhauses. Es ist eine grüne Insel inmitten von Beton, wo die Stadt plötzlich ihr Tempo drosselt.
Als dieses Projekt in den Kinderschuhen steckte, war die Idee dahinter viel tiefgründiger als nur die Schaffung einer für die Stadt ungewöhnlichen Naturecke. Die Organisatoren wollten eine Brachfläche und eine Mülldeponie nahe der Berliner Mauer in einen Ort verwandeln, an dem Leben entsteht. Sie konzipierten den Bauernhof als ökologisches Bildungsprojekt, dessen Hauptziel es war, Kindern durch praktische Erfahrung etwas beizubringen. Der Bau begann 1981. Freiwilligen- und Gemeindeorganisationen sowie Anwohner beteiligten sich. Es war eine Gemeinschaftsarbeit ohne die Trennung in Organisatoren und Zuschauer – eine Haltung, die sich bis in die 2020er Jahre erhalten hat. Der Kinderbauernhof Mauerplatz existiert dank Spenden, ehrenamtlicher Arbeit und der Unterstützung von Sponsoren, die die Pflege der Tiere sicherstellen.
Tiere auf dem Berliner Stadtbauernhof: Esel, Ziegen und Kaninchen am Mauerplatz

Der Kinderbauernhof Mauerplatz ist ein Gemeinschaftsprojekt, das ständig durch kleine, aber entscheidende Beiträge am Leben erhalten wird. Lokale Unternehmen helfen kostenlos: Tischler bringen Sägespäne und Brennholz, Gärtner spenden überschüssiges Obst und Gemüse als Tierfutter. Tierärzte, Ökologen, Bauarbeiter und Klempner packen mit an – jeder übernimmt seine kleine Aufgabe.
Auf einem kleinen Grundstück inmitten städtischer Bebauung tauchen Kinder in eine Welt ein, in der folgende Tiere leben:
- Hühner;
- Enten;
- Gänse;
- Kaninchen;
- Schafe;
- Ziegen.
Die Kinder beobachten, wie sich die Tiere bewegen, nach Futter suchen, auf Menschen reagieren und wie sie ohne Worte miteinander kommunizieren und sich verstehen. Allmählich begreifen die kleinen Stadtbewohner: Das sind Lebewesen mit eigenen Gewohnheiten, die viel über sich selbst erzählen können. Der absolute Liebling des Bauernhofs ist der Esel – ein ruhiger, fast schon philosophischer Charakter dieses Hofes. Er meidet die Menschen nicht, im Gegenteil: Er kommt von selbst auf sie zu und genießt Streicheleinheiten und Leckerlis. Genau er vermittelt den Neulingen die ersten Erfahrungen im Umgang mit Tieren.
Enten und Hühner am Mauerplatz: Wie Vögel aus aller Welt in Berlin leben

Unter den Bewohnern des Hofes gibt es Geflügel mit komplizierten Namen und faszinierenden Geschichten. Zum Beispiel die Warzenenten (auch Moschusenten genannt), die entspannt über den Hof spazieren, als wäre es ihre eigene kleine Welt. Daneben leben andere südamerikanische Entenarten, die einst von den indigenen Völkern Lateinamerikas domestiziert wurden. Für Kinder ist es eine ganz besondere Entdeckung – Vögel, die sozusagen über verschiedene Kontinente „gereist“ sind und sich nun in einem Berliner Hinterhof treffen. Sie haben es nicht eilig, sie posieren nicht, sondern leben einfach ihr Leben und erzählen dabei scheinbar wortlos von fernen Ländern.
Außerdem gibt es auf dem Hof Hühner und Küken asiatischer Rassen:
- Bankivahuhn (Bankiva);
- Lafayette-Huhn (Lafayette);
- Gabelschwanzhuhn.
Für ein Kind klingen diese Namen wie Figuren aus einem Fantasy-Buch, doch in Wirklichkeit sind es ganz normale Hofbewohner, die Körner picken, sich in der Sonne wärmen und über den Hof flitzen. Und genau darin liegt das kleine Wunder des Mauerplatzes: Verschiedene Länder, Geschichten und sogar Kontinente sind hier nicht getrennt, sondern existieren friedlich nebeneinander.
Kostenlose Orte für Kinder in Berlin: Wie funktioniert der Bauernhof Mauerplatz?

Der Eintritt zum Bauernhof bleibt frei. Das ist eine prinzipielle Haltung. Gleichzeitig wird hier aber auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass der Ort ohne freiwillige Spenden der Besucher nicht existieren könnte. Es ist keine Eintrittskarte oder Bezahlung für eine Dienstleistung, sondern vielmehr eine Geste der Hilfe, durch die die Besucher nicht nur Gäste, sondern Teil eines gemeinsamen Unterstützungsprogramms werden. Der Bauernhof bietet zudem eine interessante Besonderheit: symbolische Tierpatenschaften. Jeder Berliner kann die Patenschaft für einen tierischen Bewohner übernehmen, ein Foto von ihm erhalten und ihm einen Namen geben. Dabei geht es jedoch weder um Besitz noch um Status. Die gespendeten Mittel werden nicht nur für das jeweilige Patentier ausgegeben, sondern kommen allen Tieren des Hofes zugute. Dahinter steckt eine einfache Logik – jedes Tier hat das Recht auf Zuwendung.
Stadtgarten für Kinder in Berlin: Erfahrung statt Lehrbuch am Mauerplatz

Darüber hinaus gibt es auf dem Bauernhof einen Bio-Garten und Beete. Dies ist keine dekorative Kulisse, sondern ein Gemeinschaftsprojekt des gesamten Viertels. Die Berliner bringen Setzlinge mit, helfen bei der Pflege der Blumenbeete und packen bei allen anfallenden Arbeiten auf dem Hof mit an. Auch die Kinder sind in diesem Prozess keine bloßen Beobachter, sondern aktive Teilnehmer. Sie lernen, wie man Bäume und Pflanzen pflegt, gießen die Blumen und hören aufmerksam zu, wenn Erwachsene ihnen die richtige Pflege erklären.
Im Garten am Mauerplatz wachsen dicht beieinander:
- Stachelbeeren;
- Malven;
- Kohl;
- Minze;
- Geranien;
- Agaven;
- Kakteen.
All diese Pflanzen und ihre jahreszeitlichen Bedürfnisse kennen die kleinen Berliner nicht nur aus dem Lehrbuch. Wenn die Blütezeit beginnt, wird der lebendige Naturkundeunterricht noch spannender. Denn zahlreiche Insekten stellen sich ein, und über jedes einzelne können die Mitarbeiter des Hofes etwas erzählen. Die Kinder lernen, Bienen von Wespen zu unterscheiden, und machen Bekanntschaft mit verschiedensten Heuschrecken, Spinnen, Libellen, Käfern, Grillen und Schmetterlingen.
Berliner Garten mit Pflanzen verschiedener Kontinente: Mauerplatz als Öko-Experiment

Im Garten am Mauerplatz gibt es einen weiteren ungewöhnlichen Bereich, der eher als eine Ecke unberührter Natur gestaltet ist, die sich in ihrem eigenen Rhythmus entwickelt. Die Organisatoren beschlossen, die Beete nach dem Prinzip der Pflanzengeografie anzulegen, und das wurde unerwartet sehr beliebt.
Der Garten wurde in verschiedene Klimawelten unterteilt:
- amerikanisch – Tomaten, Kartoffeln, Erdnüsse, Topinambur, Paprika, Sonnenhut (Echinacea) und Kakteen;
- asiatisch – Ingwer, Chinaschilf (Miscanthus) und Orangenbäume;
- europäisch – nordische Farne, Lavendel, Steppengräser und Alpenkräuter.
Begeisterte Ökologen erklären den Kindern alles über diese Pflanzen. Die kleinen Berliner erfahren, warum bestimmte Arten überleben, während andere verschwinden, und welche Rolle die richtige Pflege und die klimatischen Bedingungen spielen. Wenn die Zeit für die bescheidene Ernte gekommen ist, schließen sich viele Freiwillige der Arbeit an. Es macht nicht nur großen Spaß, sondern ist auch von großem Nutzen für die tierischen Bewohner des Hofes. Daher besuchen an diesen Tagen besonders viele Kinder, auch aus anderen Stadtteilen, den Mauerplatz.
Lebendige Stadtbauernhöfe in Berlin: Der Mauerplatz als Raum ohne Drehbuch

Solche Orte ähneln keinen großen Parks oder Vergnügungsplätzen. Hier versucht man nicht, zu beeindrucken oder spezielle Ausflugsprogramme anzubieten. Der Hof führt sein alltägliches Leben, und sowohl bei den Tieren als auch im Garten herrscht derselbe natürliche Rhythmus, dem sich alles Lebendige unterordnet. Die Besucher müssen sich nicht beeilen, alles auf einmal zu sehen; sie können das Geschehen aufmerksam und ohne Hektik beobachten.
Man kann nur kurz vorbeischauen und dann doch für ein paar Stunden bleiben oder Eltern und Freunde mitbringen. Das entscheidet jeder Gast ganz nach seinem Belieben. Auf diesem Bauernhof scheint es, als hätte Berlin plötzlich sein hektisches Lebenstempo geändert und die Urbanisierung der lebendigen Natur Platz gemacht. Der Mauerplatz bietet das kurze Gefühl einer anderen Stadt, die direkt neben dem gewohnten Berlin existiert und täglich viel Nützliches und Interessantes offenbart – für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Quellen:
