Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick liegt der Spreepark – ein ehemaliger Vergnügungspark. In der DDR war er ein beliebter Anziehungspunkt für Berliner und Touristen, der jährlich über eine Million Besucher verzeichnete. Nach dem Mauerfall geriet der Park in finanzielle Schwierigkeiten und schloss 2002 endgültig. Seitdem ist er eine Mischung aus Ruinen, Legenden und Sehnsuchtsort. Der Spreepark ist ein Magnet für Abenteurer und Nostalgiker, und seine Geschichte gleicht einer Achterbahnfahrt. Gleichzeitig dient das von Wald umgebene Gelände als Rückzugsort in die Natur. Der Park wird derzeit umgebaut, um eine naturorientierte Oase im Trubel der Stadt zu schaffen. Mehr über diesen Ort, der zwischen Verfall und Charme balanciert, erfahren Sie auf berlinname.eu.
Vom Aufstieg zum Verfall
Der Vergnügungspark wurde 1969 als Kulturpark Plänterwald eröffnet und erstreckte sich über eine Fläche von 29,5 Hektar in der Nähe der Spree, von der er seinen Namen erhielt. Es war der einzige dauerhafte Freizeitpark in Ostdeutschland und sowohl im Ost- als auch im Westteil Berlins einzigartig. Er bot eine einfache, aber charmante Mischung aus festen Fahrgeschäften, Buden und Grünanlagen.
Das 45 Meter hohe Riesenrad wurde 1989 zum 40. Jahrestag der DDR modernisiert und wurde zur markantesten Attraktion des Parks. Neben Karussells und Achterbahnen bot der Park Open-Air-Konzerte, und in den 1980er-Jahren entwickelte sich hier sogar eine subkulturelle Punk-Szene. Es war nicht nur ein Freizeitort, sondern ein Spiegelbild des DDR-Lebens – bodenständig, kreativ und voller Kontraste.
1991, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde der Spreepark privatisiert. Die Firma Spreepark Berlin GmbH übernahm den Betrieb und ergänzte den Park um neue Attraktionen wie Achterbahnen, Wasserflächen und eine Bühne. Gleichzeitig wurde ein Eintrittspreis eingeführt, der die Bezahlung für einzelne Fahrten ersetzte.

Der Park erreichte seinen Höhepunkt mit 1,7 Millionen Besuchern pro Jahr. Doch ab 1999 geriet die Betreibergesellschaft in große Schulden. Hohe Eintrittspreise und fehlende Parkplätze führten zu einem drastischen Rückgang der Besucherzahlen. 2001 meldete die Spreepark Berlin GmbH Insolvenz an, und der Verfall des Parks begann. 2014 zerstörte ein Großbrand einen Großteil des Geländes, und das Riesenrad wurde 2021 demontiert.

Geografisch günstige Lage
Nach der Insolvenz der Spreepark Berlin GmbH verfiel der Park inmitten des Plänterwalds, einer geschützten Waldlandschaft im Bezirk Treptow-Köpenick. Im Norden grenzt das Gelände an die Spree, die ihren Ursprung im Lausitzer Gebirge nahe der tschechischen Grenze hat. Die Spree durchfließt Sachsen, Brandenburg und Berlin und mündet in die Havel im Westen der Stadt.
Seit dem 18. Jahrhundert dienten die südöstlichen Spree-Landschaften den Berlinern als Erholungsraum. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebiet rund um die Spree ein beliebter Ausflugsort. Der nahegelegene Treptower Park, 1876 eröffnet, bot Restaurants mit Terrassen und Anlegestellen für Ausflugsboote.
Ein neuer grüner Raum
2016 erwarb die städtische Gesellschaft Grün Berlin GmbH das Gelände des Spreeparks. 2018 begann die umfassende Umgestaltung mit dem Ziel, 24 Hektar des Geländes in einen grünen Raum zu verwandeln, der Natur, Kultur und Kunst verbindet. Geplant sind erweiterte Fuß- und Radwege sowie umweltfreundliche Bootsfahrten.

Das Riesenrad soll als einzige bewegliche Attraktion im neuen Spreepark erhalten bleiben. Achterbahnen und Karussells sind nicht vorgesehen. Große Teile des Parks werden der Kunst gewidmet, etwa in Form von Künstlerresidenzen. Die zentrale Wasserfläche wird renaturiert, und weitläufige Wiesen laden zum Entspannen ein. Ehemalige Attraktionen wie die Wasserbahn und die Achterbahn „Spreeblitz“ werden für Naturbeobachtungen und Kunstausstellungen genutzt.
Schmuggel mit der Achterbahn
Von 1991 bis 2001 wurde der Park von Norbert Witte, einem Schausteller und Enkel des bekannten Zirkusartisten und Trickbetrügers Otto Witte, geführt. Nach der Insolvenz 2001 flüchtete Witte mit sechs Attraktionen nach Peru, um dort einen neuen Freizeitpark zu eröffnen – ein Projekt, das an Korruption, schlechtem Wetter und Sprachbarrieren scheiterte.

2002 versuchte Witte, 167 Kilogramm Kokain in einer der Attraktionen nach Deutschland zu schmuggeln. Der Plan scheiterte, und 2004 wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sein Sohn Marcel, der unwissentlich in den Schmuggel verwickelt war, erhielt eine 20-jährige Haftstrafe.
Norbert Witte war kein Unbekannter in der deutschen Strafverfolgung. 1981 verursachte ein defekter Kran auf seinem Jahrmarkt eine der schlimmsten Karussellunfälle Deutschlands, bei dem sieben Menschen starben und 15 verletzt wurden.
