Wer Tempelhof am Südkreuz besucht, kann die beeindruckende Malzfabrik nicht übersehen. In den 1920er Jahren war sie die größte Mälzerei Europas und ein herausragendes Denkmal der Berliner Industriearchitektur. Mehr über die Geschichte der Fabrik erfahren Sie auf berlinname.eu.
Die Geburt einer Marke

Die Malzfabrik dominiert die Umgebung vor allem durch die vier metallenen Aufbauten, die wie riesige Ritterhelme über dem Gebäude thronen. Diese „Trockenschächte“ waren einst unverzichtbar für die Malzproduktion, sind heute jedoch nur noch dekorativ.
1853 kaufte der Kaufmann Jobst Schultheiss eine kleine Brauerei in der Neuen Jakobstraße im heutigen Bezirk Mitte. Innerhalb weniger Jahre wurde der gebürtige Franke zum erfolgreichsten Bierbrauer Berlins. Als die Brauerei 1864 neue Eigentümer erhielt, blieb der Markenname „Schultheiss“ bestehen. Die Marke entwickelte sich zu einem der größten Berliner Industrieunternehmen, das nahezu alles selbst produzierte: von Bier über Malz bis hin zu Fässern. Die Bierauslieferung erfolgte mit eigenen Fahrzeugen.
Die größte Mälzerei Europas

Der Erfolg brachte auch Herausforderungen mit sich. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg reichte die Malzproduktion nicht mehr aus, um die Biernachfrage zu decken. Schultheiss musste Malz zukaufen, was die gleichbleibende Bierqualität gefährdete.
Die Lösung fand sich in Schöneberg, damals noch eine eigenständige Stadt. Schultheiss plante nicht nur eine Erweiterung, sondern baute mit dem Architekten Richard Schlüter die größte Mälzerei Europas. Zwischen 1914 und 1917, während des Ersten Weltkriegs, wurde die Fabrik errichtet. Ziel war es, den Eigenbedarf an Malz zu decken und Überschüsse an andere Brauereien zu verkaufen.
„Green Steps“: Nachhaltigkeit im Fokus

Der Malzfabrik-Komplex umfasste Produktionshallen, eine Kelterei, einen Pferdestall, Maschinenräume, Lagerflächen, einen Waggonschuppen und ein repräsentatives Verwaltungsgebäude. Nach 1945 war der Betrieb mit großen Herausforderungen konfrontiert: Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte Maschinen als Reparationsleistung, und die Teilung Deutschlands machte den Betrieb noch schwieriger.
Heute liegt der Fokus auf ökologischer Nachhaltigkeit. Die Malzfabrik hat sich zu einem Vorreiter nachhaltiger Entwicklung in der Immobilienbranche entwickelt. „Green Steps“, eine dokumentierte Nachhaltigkeitsstrategie, wurde implementiert. Dazu gehören:
- Nutzung von Ökostrom
- Umstellung auf LED-Beleuchtung
- Förderung der Elektromobilität
- Begrünung von Dächern und Fassaden
- Revitalisierung von 13.000 m² Brachflächen zu einem Park
- Anlage von biologisch vielfältigen Gärten und Bienenstöcken
- Bau von zwei großen Regenwasserbecken zur nachhaltigen Wassernutzung
Für diese Maßnahmen wurde die Malzfabrik mehrfach ausgezeichnet.
