Kabelwerk „AEG“: Eine Fabrik, die ihrer Zeit voraus war

Seit den 1890er Jahren füllen Berliner Fabriken das dicht besiedelte Stadtzentrum. Als Emil Rathenau, Gründer und Geschäftsführer der „AEG“, 1895 einen neuen Standort für sein elektrotechnisches Unternehmen suchte, fiel seine Wahl auf Oberschöneweide. Dort gab es freie Flächen mit Zugang zur Spree und einer Eisenbahnanbindung – ideale Bedingungen für den Bau einer Kabelfabrik. Mehr über die Geschichte des Werks erfahren Sie auf berlinname.eu.

Die modernste Fabrik Europas

1897 wurde in Oberschöneweide die modernste Fabrik Europas errichtet: das Kabelwerk Oberspree. Ohne einen zentralen Dampfmotor wurde die gesamte Produktion durch Elektromotoren angetrieben. Die Energie lieferte das benachbarte Kraftwerk, das die AEG 1897 als erstes europäisches Drehstromkraftwerk in Betrieb nahm.

Bis 1912 hatten die AEG-Architekten Paul Tropp und Wilhelm Osmar Klemm bereits umfangreiche Erfahrungen im Bau von Fabriken und Verwaltungsgebäuden gesammelt. Damals war es üblich, den funktionalen Zweck von Gebäuden zu verschleiern und historische Fassaden zu verwenden. So entstand das Kabelwerk als Ensemble aus gelbem Backstein im Stil der Neogotik und des Neorenaissance.

Eine Ausnahme bildet die Direktorenvilla, die der Architekt Johannes Kraaz 1901/02 auf dem Firmengelände errichtete. Ihr verputzter Fassadenstil mit einer stark strukturierten Dachform sollte sich deutlich von den Industriegebäuden abheben.

Zukunftsweisender Bau

Die einzelnen Werksgebäude wurden nicht speziell für bestimmte Produktionsbereiche ausgelegt, sondern so konzipiert, dass sie vielseitig genutzt werden konnten. Dies ermöglichte der AEG, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. Schon früh produzierte die Fabrik nicht nur Kabel, sondern verarbeitete auch Metalle, Gummi und andere Rohstoffe. Zudem war sie eine der größten Kupferwalzwerke Deutschlands. Seit 1901 stellte die AEG in Oberschöneweide auch Autos und Lastwagen her.

Die Architekten Tropp und Klemm planten von Anfang an mögliche Erweiterungen ein. So wurden Treppenhäuser und Zufahrten weitaus großzügiger angelegt, als es zum Zeitpunkt des Baus notwendig war.

1913 erwarb die AEG ein Grundstück östlich des Kabelwerks. In den folgenden Jahren wurden hier neue Gebäude errichtet, da das Unternehmen vom Ersten Weltkrieg profitierte. Rund 24.000 Arbeiter produzierten Ausrüstung und Munition für das deutsche Militär.

Die sogenannten Behrens-Hallen, benannt nach dem Architekten, der sie entwarf, markierten den Übergang zur modernen Architektur. Die Backsteinfassaden überzogen die Stahlrahmenkonstruktionen. Die Fassaden und Giebel spiegelten die Stahlträger wider und ließen die Gebäudefunktion teilweise erkennbar werden.

Sanierungsmaßnahmen

Seit 1991 wurden auf dem Gelände lokale Schadstoffquellen entdeckt, und Untersuchungen ergaben eine Verunreinigung des Grundwassers. Industrieablagerungen mit Arsen (As) und Cyaniden (CN) wurden identifiziert.

Daraufhin wurden Maßnahmen zur Untersuchung von Boden, Bodenluft und Grundwasser ergriffen. Von Juni 1995 bis Dezember 1999 wurde Wasser aus zwei, später aus einer Bohrung des ersten Grundwasserleiters entnommen, um LCKW (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe) zu entfernen und den Abfluss zu sichern. Am Ende der Maßnahme war die LCKW-Konzentration erheblich gesenkt, und es wurden etwa 60 kg LCKW aus dem Grundwasser entfernt.Zwischen 1995 und 1998 wurden Industrieabfälle und kontaminierte Stellen (MKW, BTEX, PAH, LCKW) im Rahmen von Bauarbeiten entfernt. Insgesamt wurden rund 44.000 m³ Industrieschlamm und 180.000 m³ kontaminierter Boden ausgetauscht und gemäß den geltenden Schadstoffgrenzwerten entsorgt.

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