West-Berlin in den 1950er Jahren: Die Berliner Mauer gibt es noch nicht, doch die Stadt ist bereits eine westliche Insel im sozialistischen Ostblock. Viele Unternehmen verließen West-Berlin in der schwierigen Lage zu Beginn des Kalten Krieges, doch einige blieben und investierten weiterhin. Eines dieser Unternehmen war die Firma „Electrica“, die in den Jahren 1956–1957 ein neues Verwaltungs- und Produktionsgebäude in Lankwitz errichtete, um Kondensatoren herzustellen – Bauteile zur Speicherung elektrischer Energie. Mehr über die Arbeit des Unternehmens erfahren Sie auf berlinname.eu.

Eine markante Fassade
Das neue Werk ist ein Paradebeispiel für die funktionale Industriearchitektur der 1950er Jahre. Fast nirgendwo in Berlin kann man dieses Architekturkonzept so deutlich erleben wie in der Nicolaistraße.
Die Kondensatorenfabrik ist bis heute ein Produktionsstandort. Die rote Fassadenverkleidung ist ein verbreitetes Gestaltungselement in der Industriearchitektur, wie es in Berlin oft vorkommt: etwa beim Ullsteinhaus, dem Hochhaus des Siemens-Schaltwerks, dem Funkhaus Nalepastraße, dem MetaHaus oder den Geyer-Werken.
Beim Bau des Werks, das die Kondensatoren für „Electrica“ herstellen sollte, entschieden sich die Architekten Konrad Sage und Karl Hebecker für eine ungewöhnliche Fassadengestaltung im sogenannten Prüssverband. Sie verwendeten rote Keramikfliesen, die abwechselnd horizontal und vertikal angeordnet wurden, wodurch beide Gebäude eine charakteristische äußere Gestaltung erhielten. Da die Keramikfliesen jedoch nicht das Gewicht des Gebäudes tragen konnten, lösten die Architekten dieses Problem mit einer Stahlbetonkonstruktion. Das heißt, die Wände der Fabrik bestehen aus Stahlbeton.

Herausforderungen beim Entwurf
Eine weitere Schwierigkeit war der begrenzte Platz. Für die Kondensatorenproduktion stand nur ein kleines Grundstück zur Verfügung. Dies zwang Sage und Hebecker, platzsparend zu bauen. Gleichzeitig mussten sie dafür sorgen, dass genügend Tageslicht in die Gebäude fällt, um optimale Arbeits- und Produktionsbedingungen zu gewährleisten.
Beide Gebäude sind relativ niedrig, nur zweigeschossig. Das Verwaltungsgebäude wurde direkt an die Straße gebaut, mit breiten Fensterfassaden, die nach Osten ausgerichtet sind. Ein niedriges, verglastes Foyer, das den Haupteingang beherbergt, verbindet das Verwaltungsgebäude mit dem eigentlichen Fabrikgebäude im hinteren Teil.
Das Erdgeschoss des Fabrikgebäudes wurde hauptsächlich für logistische Zwecke wie Anlieferung und Versand genutzt.
Ein Produktionsstandort bis heute

Das architektonische Herzstück des Ensembles ist das Obergeschoss des Fabrikgebäudes. Die Dachkonstruktion ist dabei besonders hervorzuheben. Ein einseitig geneigtes Dach sorgt für eine optimale, blendfreie Beleuchtung.
Heute existiert das Unternehmen „Electrica“ nicht mehr, doch die Gebäude in der Nicolaistraße dienen weiterhin als Produktionsstätte. Das Berliner Familienunternehmen „Dieringer Blecharbeit“, das auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblickt, nutzt die Räumlichkeiten als Hauptsitz.
Innovation, Klimaschutz und Nachhaltigkeit spielen für „Dieringer Blecharbeit“ eine zentrale Rolle. Das Unternehmen hat eine einzigartige Kombination aus Klimaschutzmaßnahmen und Begrünung umgesetzt. Dabei wurden energieeffiziente Lösungen gefunden, die den Standort weiterentwickeln.So wurde ein Entwässerungssystem mit begrünten Rinnen geschaffen, das gleichzeitig einen Bereich für nützliche und dekorative Pflanzen bietet. Zudem wurde ein Gründach eingerichtet, das durch eine patentierte grüne Außenfassade ergänzt wird. Begrünte Fassaden wirken sich sogar noch positiver auf das Raum- und Stadtklima aus als Gründächer.
Etwa 99 % des anfallenden Regenwassers wird in alten Druckluftbehältern gespeichert und für das Gründach verwendet. Überschüssiges Regenwasser durchläuft einen Pflanzenfilter, bevor es ins Versickerungssystem geleitet wird.
