Wie in Berlin die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung entwickelt, gebaut und umgesetzt wurde

Heute fließt in Berlin frisches Wasser aus dem Wasserhahn, geeignet zum Trinken, Kochen, Putzen, Waschen und vielem mehr. Doch es gab eine Zeit, in der das Thema Trinkwasser für die Stadtoberen kaum eine Rolle spielte. Fast jedes Haus hatte einen eigenen Brunnen, und Schmutzwasser wurde direkt auf die Straßen oder in die Spree gekippt. Wie Berlin sein Wasserversorgungssystem aufbaute und seine Bewohner mit sauberem Wasser versorgte, erfahren Sie auf berlinname.eu.

Wie war es vor der Einführung der Wasserversorgung?

Im Jahr 1572 ließ der Kurfürst die erste Wasserstation in Berlin errichten. Doch eine geregelte Sammlung und Reinigung von Abwasser begann erst im 19. Jahrhundert. Der Wissenschaftler und Forscher Dr. Rudolf Virchow sowie die Stadtplaner Friedrich Wiebe und James Hobrecht entwickelten ein komplexes System für Wasserversorgung und Abwasserreinigung, bestehend aus Brunnen, Wasserwerken, Rohrleitungen, Kanälen, Pumpstationen und Kläranlagen.

Dennoch stank Berlin 1850 noch gewaltig. Abfälle aus Häusern und Höfen landeten auf schlecht gepflasterten Straßen und vermischten sich mit Fäkalien zu einer übelriechenden Brühe. Mitte des 19. Jahrhunderts kippten fast eine Million Berliner Schmutzwasser in Rinnsteine zwischen Gehweg und Fahrbahn, wo sich Müll und „Toilettenreste“ sammelten, was zu unangenehmen Gerüchen und gefährlichen Krankheiten führte.

Wasser aus der Spree

Der Geruch beleidigte die Nase von Friedrich Wilhelm IV. Sein Berlin stank. 1852 hatte Seine Majestät genug. Der Polizeichef Friedrich von Hinckeldey holte die britischen Ingenieure Charles Fox und Thomas Crampton von der Themse an die Spree. Ab 1856 bauten und betrieben sie eine Wasserleitung am Stralauer Tor. Als Gegenleistung erhielt Hinckeldey kostenloses Wasser zur Reinigung der Rinnsteine, Löschwasser und fünf Springbrunnen.

Doch Berlin wuchs weiter. Schon kurz nach 1856, als die Dampfmotoren der Wasserstation am Stralauer Tor liefen, stieg die Nachfrage nach Leitungswasser rapide. Schließlich war es ein Luxus, ein eigenes Bad und eine Toilette zu besitzen.

1873 übernahm die Stadt die Kontrolle über Berlins Wasserversorgung. Die besten Ingenieure errichteten die zuverlässigsten Wasserwerke Europas: 1877 am Tegeler See und 1893 am Müggelsee. Immer häufiger stillte Grundwasser den Durst der Berliner.

Die wilden 1920er Jahre

Doch wohin mit dem benutzten Schmutzwasser? Die zentrale Wasserversorgung spülte zwar die Rinnsteine, doch die Menge an Abwasser wuchs. Schmutzwasser floss in die Spree, und das Baden im Fluss machte keinen Spaß mehr. Bakterien und Mikroben kehrten über das Trinkwasser in die Häuser zurück. 1866 erlitt Berlin eine Choleraepidemie. Auch Reichskanzler Fürst von Bismarck beklagte den schlechten Geschmack des Berliner Wassers, das Eisenpartikel und Algen enthielt.

Ab 1. Januar 1878 leitete das erste radiale Entwässerungssystem Berlins das Abwasser unterirdisch zu Rieselfeldern, statt in die Spree. Die Kanalisation setzte sich endgültig gegen Sickergruben durch.

50 Jahre später strahlte die Vier-Millionen-Metropole in den „Goldenen Zwanzigern“. Üble Gerüche waren aus der Stadt verbannt. Friedrich Wiebe, James Hobrecht und Rudolf Virchow gelten als Helden der Berliner Abwasserentsorgung und gingen in die Geschichte ein.

James Hobrechts radiales System

James Hobrecht entwickelte die Idee, Berlin in 12 unabhängige radiale Systeme aufzuteilen. Dazu gehörten sorgfältig konstruierte Kanäle mit Gefälle. Abwasser sammelte sich an den tiefsten Stellen und wurde mit Pumpen an die Stadtgrenzen transportiert.

Schmutzwasser versickerte in den Rieselfeldern. Steine und Erdschichten reinigten das Abwasser mechanisch und biologisch. Gräben rund um die Felder sammelten das gereinigte Wasser und führten es zurück in die Flüsse.

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