Heinrich-Laehr-Park: Von einer psychiatrischen Klinik zum Landschaftspark

Der Heinrich-Laehr-Park, zusammen mit dem Schweizerhof und Schönower Park, zählt aufgrund seiner Geschichte zu den interessantesten Grünanlagen in Zehlendorf. Nicht ohne Grund wurde dieser Komplex zum „Park des Monats“ gekürt. Mehr über die Entstehungsgeschichte des Heinrich-Laehr-Parks erfahren Sie auf berlinname.eu.

Der Schweizerhof

1853 erwarb der Neurologe Heinrich Laehr den Schweizerhof, einen ehemaligen Bauernhof, der sich an der damals belebten Straße nach Teltow befand, dem heutigen Teltower Damm, nahe dem Bahnhof Zehlendorf. Der fortschrittlich denkende Arzt sah in dieser ländlichen und ruhigen Umgebung die idealen Bedingungen für die Gründung seiner psychiatrischen Klinik „Asyl Schweizerhof – Privatklinik für psychisch erkrankte Frauen“. Diese abgeschiedene Lage inmitten landwirtschaftlicher Felder bot eine willkommene Abgeschiedenheit von der Hektik der Großstadt, blieb jedoch durch die nahegelegene Eisenbahn gut erreichbar.

Im Laufe der Jahre erweiterte Laehr das Gelände erheblich. Es erstreckte sich schließlich fast über die gesamte Schönower Feldflur, von Zehlendorf bis zum Zentrum des Dorfes Schönow, und umfasste über 100 Hektar.

Landschaftsparks

Beidseits des Teltower Damms entstand ein Sanatorium mit dezentralen Pavillons, eingebettet in üppiges Grün. Die Idee, Patienten individuell und in einer ruhigen Umgebung zu betreuen, entsprach dem damaligen Ideal.

Ein Großteil des Geländes bestand aus Landschaftsparks mit einer Vielzahl von Bäumen. Diese sollten eine beruhigende Atmosphäre schaffen und wurden als integraler Bestandteil der Therapie für wohlhabendere Patienten genutzt. Die Klinik war nicht nur ein Behandlungsort, sondern auch ein Rückzugsort, der den Patienten begrenzte Freiheit bot.

Ein Netz aus über 20 Kilometern Spazierwegen, Teichen, Inseln, Brücken, Grotten, Treppen, Brunnen und Skulpturen lud zu ausgedehnten Spaziergängen in der Natur ein. Tennis- und Krocketplätze sowie Bowlingbahnen förderten die körperliche Aktivität. Der Heinrich-Laehr-Park wurde bewusst als Wildpark gestaltet und war für naturverbundene Patienten vorgesehen. Edelhirsche, Rehe und andere Tiere durchstreiften die dichten Büsche, und sogar Jagdausflüge waren Teil des Programms.

Landwirtschaft als Therapie

Laehr, der zusätzlich zur Medizin eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert hatte, integrierte auch Gartenbau in sein therapeutisches Konzept. Auf den Feldern des Sanatoriums bauten Patienten gemeinsam mit Bewohnern des Asyls Obst, Gemüse und Blumen an. Anders als die damals verbreitete Methode, psychische Erkrankungen mit Hungerdiäten zu behandeln, setzte Laehr auf gesunde Ernährung als Voraussetzung für Heilungserfolge.

Heinrich Laehrs Vermächtnis

Heinrich Laehr verstarb 1905. Seine monumentale Grabstätte im heutigen Schönower Park ist mit der Skulptur „Melancholische Frau“ des Bildhauers Gottlieb Elster geschmückt. Der Laehr-Park, der etwa 20 Hektar umfasst, bleibt bis heute die größte Erholungszone im Süden von Zehlendorf. Das Laehrsche Asyl mit allen Gebäuden und Freiflächen blieb bis etwa 1920 in seiner ursprünglichen Form erhalten, bevor es aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben wurde. Im Vergleich zu den repräsentativen Krankenhausgärten seiner Zeit stellte der Laehr-Park mit seinem besonderen Landschaftsdesign eine Ausnahme dar und erregte auch über die Grenzen Berlins hinaus Aufmerksamkeit. Dank seines alten Baumbestands zählt er zu den ältesten privaten Parks der Stadt.

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