Gärten in Berlin – eine Weltreise an einem Tag

In der deutschen Hauptstadt gibt es einen Ort, an dem man an einem einzigen Tag China, Japan, den Nahen Osten oder sogar Südamerika besuchen kann. Das sind die „Gärten der Welt“ – ein Park, der die Kulturen verschiedener Länder in der Sprache der Natur, Architektur und Traditionen verbindet. Entstanden 1987 als bescheidener „Erholungspark Marzahn“, hat er sich in den grandiosen Raum der „Gärten der Welt“ verwandelt, in dem Landschaftsstile aller Kontinente harmonisch koexistieren. Im 21. Jahrhundert finden hier vielfältige internationale Festivals, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen statt, die den Park im Bezirk Marzahn zu einem außergewöhnlichen Symbol der Vielfalt des modernen Berlins machen. Mehr dazu auf berlinname.eu.

Vom Plattenbau zur Weltklasse-Perle

Als sich Ost-Berlin 1987 auf die Feierlichkeiten zum 750-jährigen Jubiläum vorbereitete, beschloss die DDR-Führung zu zeigen, dass auch in einer sozialistischen Stadt ein außergewöhnlicher Ort der Schönheit existieren kann. Die Idee, den „Erholungspark Marzahn“ zu schaffen, stammte von der damaligen Berliner Führung, und die Umsetzung des Projekts wurde vom städtischen Grünflächenamt übernommen. Die Architekten hatten das Ziel, das Plattenbauviertel Marzahn zu beleben, das bei den Stadtbewohnern nur mit Neubauten assoziiert wurde.

Die Aufgabe war nicht einfach; Geldmangel und strenge Planvorgaben ließen nicht viel Raum für Fantasie. Doch die Auftragnehmer meisterten die Aufgabe fristgerecht, und der Park wurde sehr schnell zu einem beliebten Erholungsort für die Berliner. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erhielt die Hauptstadt die Möglichkeit, mit ausländischen Landschaftsarchitekten zusammenzuarbeiten, und die erste Partnerschaft wurde mit Meistern aus Peking geschlossen.

Erste Versuche und Erfolge

Im Jahr 1997 entwickelte eine Gruppe chinesischer Architekten unter der Leitung von Professor Zheng Yinjiong das Projekt für den ersten Themengarten – den Chinesischen Garten. Er wurde im Jahr 2000 unter Beteiligung chinesischer Gärtner, die extra nach Berlin gekommen waren, eröffnet. Für eine vollständige Authentizität wurden alle Materialien – vom Holz bis zu den Dachziegeln – aus China importiert. Danach setzte sich die Welle fort: japanische Meister äußerten den Wunsch, ihren eigenen Garten zu gestalten, gefolgt von koreanischen Architekten. Wenig später entwarfen eingeladene Fachleute aus dem Nahen Osten ihre eigene Ecke. Und jedes Mal war es nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein außergewöhnlicher kultureller Dialog.

Der Höhepunkt der Entwicklung war das Jahr 2017, als Berlin die Internationale Gartenausstellung (IGA) ausrichtete. Dafür wurde der Park nicht nur erweitert, sondern es wurden auch eine Seilbahn gebaut, neue Pavillons und Aussichtsplattformen eingerichtet. Danach festigten die „Gärten der Welt“ endgültig ihren Status als einer der einzigartigsten Parks in Europa. Jeder Berliner hat dort seine Lieblingsecken, aber die beliebtesten sollten erwähnt werden.

Wo die Pfade Geheimnisse verbergen

Im Juni 2007 erhielten die Berliner „Gärten der Welt“ eine besondere Attraktion – den Irrgarten und das Labyrinth, im Grunde zwei Labyrinthe, die sofort zu einer Herausforderung für die Vorstellungskraft und das räumliche Denken der Besucher wurden. Das erste ist ein klassischer grüner Irrgarten, gestaltet nach dem Vorbild des berühmten Layouts im Park des britischen Schlosses Hampton Court. Seine Wände aus über 1250 dicht geschnittenen Eiben bilden eine mehrere Meter hohe grüne Mauer. Hier müssen die Besucher Geduld und Einfallsreichtum beweisen: unzählige Abzweigungen, Sackgassen und unerwartete Wendungen bringen selbst diejenigen durcheinander, die sich für Meister der Navigation halten. Genau wegen dieser faszinierenden Herausforderung wurde der Irrgarten zu einem beliebten Ort für Familienausflüge, bei denen Kinder und Erwachsene eifrig wetteifern, wer am schnellsten den Ausgang findet.

Daneben befindet sich ein völlig anderes Bodenlabyrinth, das nach dem Vorbild des mittelalterlichen Musters in der Kathedrale der französischen Stadt Chartres gestaltet ist. Sein Weg hat keine Sackgassen und führt nur in eine Richtung – vom Eingang zum Zentrum. Aber die zahlreichen Windungen und sanften Kreise verwandeln die Route in eine meditative Reise, die dazu zwingt, langsamer zu werden und den Rhythmus der eigenen Schritte zu spüren. Dieses Labyrinth symbolisiert den Weg zur inneren Harmonie, und viele Besucher nutzen es als Raum für Reflexion oder spirituelle Praktiken. Dank der Kombination aus Spiel und Philosophie ergänzen beide Labyrinthe das Konzept des Parks perfekt: Man kann sich dort sowohl verirren als auch zu sich selbst finden.

Karl Foerster und der Garten, der in Farben lebt

Im März 2008 erhielten die „Gärten der Welt“ ein besonderes Geschenk – einen erneuerten und erweiterten Staudengarten, der dem Reformer des deutschen Gartenbaus, Karl Foerster, gewidmet ist (Karl-Foerster-Staudengarten). Die Eröffnung fand anlässlich seines 134. Geburtstages statt. Der Garten wurde nicht nur zu einer Hommage an den Meister, sondern auch zu einer lebendigen Demonstration seiner Ideen – die Verwendung von Stauden zur Schaffung einer dynamischen Landschaft, die sich im Laufe der gesamten Saison verändert.

Foerster war ein Befürworter von Gärten, in denen es keine starre Form gibt, sondern nur Bewegung, Rhythmus und natürliche Harmonie. Sein Stil verband strenge architektonische Linien mit den weichen Wellen blühender Gräser und Blumen. Genau so sieht der moderne Garten in Marzahn aus: Er verzaubert mit einem Spiel aus Licht und Farbe und schenkt von Frühling bis Spätherbst immer neue Stimmungen. Dort wachsen Pfingstrosen, Lavendel, Ziersträucher und verschiedene Stauden, die den Effekt eines lebendigen Gemäldes erzeugen. Jede Biegung des Weges eröffnet eine neue Komposition: leuchtende Farbflecken inmitten ruhiger grüner Hintergründe, duftende Blumenwellen und das Spiel des Lichts.

Die Toskana mitten in Berlin

Im Mai 2008 wurde den „Gärten der Welt“ der Italienische Renaissancegarten „Giardino della Bobolina“ hinzugefügt. Er spiegelt den Geist berühmter toskanischer Villen mit ihren harmonischen Proportionen, Loggien und klar abgegrenzten Beeten wider. Der Garten führt die Besucher in die Prinzipien des frühen europäischen Designs ein, bei dem jedes Element durchdacht ist und die Komposition der Symmetrie unterliegt. Dort wird das Gleichgewicht zwischen Kunst und Natur, das für das italienische ästhetische Ideal charakteristisch ist, wunderbar bewahrt.

Der Italienische Garten besticht auch durch seine Pflanzenvielfalt. Schlanke Zypressen und Eiben formen klare Linien im Raum, während Lavendel, Rosen und saisonale Stauden Farbe und Duft hinzufügen. Magnolien und Zitrusfrüchte in dekorativen Kübeln erinnern an die sonnige Toskana, und die Frühlingstulpen und Narzissen weichen Pfingstrosen und Wellen von Lavendelbüschen. Jeder Schritt eröffnet eine neue Komposition, in der die Ordnung der Geometrie harmonisch mit dem Leben der Pflanzen verschmilzt und den Spaziergang in eine wahre Reise in die Zeit der Renaissance verwandelt.

Geschichte, die zwischen den Bäumen wächst

Im Oktober 2021 wurde den „Gärten der Welt“ ein neuer Bereich hinzugefügt – der Jüdische Garten, das Ergebnis von zwei Jahren Bauzeit und sorgfältiger Planung. Auf fast 2000 Quadratmetern entfaltet sich die Geschichte der jüdischen Gemeinde Berlins: Wege führen durch symbolische Kompositionen, und der Hügel, auf dem sich dieser Bereich befindet, ermöglicht einen Blick auf den Christlichen Garten in der Ferne. Zwei Pavillons laden zu Treffen und Veranstaltungen ein und verwandeln den Raum in ein lebendiges Zentrum für Kultur und Traditionen.

Die Pflanzen im Jüdischen Garten sind nicht nur natürliche Schönheit, sondern auch Träger von Bedeutung und Erinnerung. Dort wachsen Eichen und Ginkgos, Apfelbäume und Ziersträucher, von denen jeder eine historische oder symbolische Verbindung zum Leben der jüdischen Gemeinde der Hauptstadt hat. Pfingstrosen und saisonale Stauden fügen leuchtende Farbtupfer hinzu, während Lavendel und Thymian die Luft mit einem Duft der Ruhe erfüllen. Hohe Bäume bilden schattige Bögen über den Wegen, Sträucher betonen die Struktur des Gartens, und kleine Beete und Pavillons erzählen ihre eigenen Geschichten.

Die Welt im Miniaturformat: Von Japan bis zum Baltikum

Man kann auch durch den japanischen „Garten des zusammenfließenden Wassers“ mit seinen Steinkompositionen und stillen Teichen spazieren, den koreanischen „Seouler Garten“ mit seinen eleganten Holzpavillons, den balinesischen „Garten der drei Harmonien“ mit seiner für den Norden charakteristischen Vegetation, den orientalisch-islamischen „Garten der vier Ströme“ mit duftenden Kräutern und arabischen Motiven sowie den „Christlichen Garten“ mit Buchsbaumflächen und blühenden weißen Stauden. Es gibt auch andere thematische Beete und Ausstellungen, die den Weltreligionen gewidmet sind, insgesamt 14. Jeder Weg eröffnet eine neue Kultur, unerwartete Formen und Details, sodass man schon nach wenigen Stunden Spaziergang den Eindruck hat, die ganze Welt umrundet zu haben.

In den Armen der Welt

Dieser einzigartige Ort ist zu einem Anziehungspunkt für Organisatoren verschiedener Festivals und Feiern geworden. Im Frühling wird dort traditionell das Kirschblütenfest gefeiert, und am Ende des Sommers verwandelt sich der Park in die Arena des Chinesischen Mondfestes. Im Englischen Garten wurde die Krönung von Karl III. gefeiert: Die Besucher verfolgten die Zeremonie auf einer großen Leinwand und nahmen an einem fröhlichen Hutwettbewerb teil. Für private Hochzeiten und festliche Anlässe wählen die Berliner oft den Orientalischen Garten oder das Steinboot am Chinesischen Pavillon.

Für die Gäste wurde eine moderne Freilichtbühne mit 5.000 Plätzen eingerichtet, wo Aufführungen und Konzerte mit der Schönheit der Natur und der Landschaft verschmelzen. Jedes Jahr besuchen zu verschiedenen Jahreszeiten Hunderttausende von Touristen den Park, und die Anwohner kommen zum Spazierengehen, Sporttreiben und einfach nur, um die Ruhe inmitten der Natur zu genießen. Die „Gärten der Welt“ zeigen, wie eine Grünfläche Geschichte, Kunst und Natur verbinden kann und so zu einem Symbol kultureller Vielfalt und zum lebendigen Herzen der Stadt wird.

Quellen:

  1. https://www.berlin.de/tourismus/parks-und-gaerten/3560085-1740419-gaerten-der-welt-im-erholungspark-marzah.html
  2. https://ntdtv.com.ua/3418-sadi-svitu-v-berlini-proponuyut-zdijsniti-krugosvitnyu-podorozh
  3. https://amalberlin.de/ua/2023/05/28/gaerten-der-welt/
  4. https://www.gartenpraxis.de/aktuelles/news/article-6994365-207723/juedischer-garten-in-den-gaerten-der-welt-eroeffnet-.html

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