In den Berliner Stadtteilen, in denen die Luft verschmutzt ist, der Lärm auch nachts nicht abnimmt und Grünflächen fehlen, leben oft Menschen mit geringerem Einkommen. Mehr darüber, wie die technogene Belastung in der Stadt reduziert werden kann, erfahren Sie auf berlinname.eu.
Geschichte des Problems

Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Umweltbelastungen in Berlin nehmen zu, insbesondere in Wohngebieten einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen. Vier Hauptfaktoren belasten Körper und Geist: Lärm, schlechte Luft, fehlende Grünflächen und ein ungünstiges Mikroklima in der Nachbarschaft, das im Sommer zur Wärmeakkumulation führt.
Bevölkerungsdichte und Umweltverschmutzung stehen in direktem Zusammenhang. Die schädlichen Umwelteinflüsse sind vor allem in dicht besiedelten Stadtteilen verbreitet. In 28 Planungsgebieten gibt es eine hohe Belastung durch mindestens drei dieser Faktoren gleichzeitig. Zwei Drittel dieser hochbelasteten Gebiete liegen innerhalb des S-Bahn-Rings. Etwa 12 Prozent der Berliner leben in diesen Gebieten.
Diese Gegenden zeichnen sich oft durch eine starke Bodenversiegelung aus, die im Sommer den sogenannten „Wärmeinsel-Effekt“ verstärkt. Hier treffen intensiver Verkehr und hohe Bevölkerungsdichte aufeinander. In über 80 Prozent der stark belasteten Gebiete leben mehr als 10.000 Menschen pro Quadratkilometer.
In Stadtteilen außerhalb des S-Bahn-Rings, wo die Bevölkerungsdichte geringer ist, sieht die Situation deutlich besser aus. Hier leben weniger als 10.000 Menschen pro Quadratkilometer. In Berlin gibt es 377 Planungsgebiete, die nur von einem der Umweltfaktoren belastet sind. Etwa zwei Drittel der Berliner leben in diesen weniger belasteten Stadtteilen.
Lärm, Hitze und verschmutzte Luft

Der Zusammenhang mit dem sozialen Status ist ebenfalls auffällig. Menschen mit höheren Einkommen leben selten in Gebieten mit mehrfacher Belastung. 97 Prozent der Planungsgebiete mit dreifacher Umweltbelastung weisen keinen hohen sozialen Status auf. Umgekehrt haben ein Viertel der unbelasteten Gebiete einen hohen sozialen Status.
Die vier Umweltbelastungen wirken sich direkt auf die Gesundheit aus. Chronische Lärmbelastung mit einem nächtlichen Dauerschallpegel von über 55 Dezibel erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Fehlen von Grünflächen bedeutet fehlende Erholungs- und Bewegungsmöglichkeiten, die für einen gesunden Körper notwendig sind. Hitze belastet die körpereigene Kühlung und kann vor allem bei älteren Menschen Kopfschmerzen und Erschöpfung verursachen. Luftverschmutzung, etwa durch Autoabgase, führt zu Atemwegserkrankungen.
Präventionsmaßnahmen

Kein Berliner Stadtteil weist so saubere Luft auf, dass sie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaub und Stickstoffdioxid entspricht – fünf bzw. zehn Mikrogramm pro Kubikmeter.
Im Jahr 2019 entwickelte der Senat erstmals einen Umweltgerechtigkeitsatlas für Berlin. Laut dem Umweltamt des Senats ist Berlin die erste Großstadt Deutschlands, die eine solche Untersuchung durchführte. Die Karten und Daten, die 2023–2024 aktualisiert werden sollen, dienen als Grundlage für weitere Maßnahmen.
Die Herausgeber des Atlas betonen, dass die Umweltgerechtigkeitskonzeption ein wichtiges Instrument zur Ermittlung politischer Handlungsbedarfe ist. Ziel ist es, die Lebensbedingungen sozial benachteiligter Menschen zu verbessern, die besonders von gesundheitsschädlichen Umweltbelastungen betroffen sind. Der Senat hat sich vorgenommen, die Anzahl der mehrfach belasteten Stadtteile zu reduzieren.
