Großer Tiergarten

Park · Berlin · ⭐ 9.3/10 · 24742 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 07:55:26

Adresse: Str. des 17. Juni, 10785 Berlin, Deutschland

Großer Tiergarten — 210 Hektar Stadtgeschichte zwischen kurfürstlichem Jagdrevier und wiederaufgeforstetem Wald

Berlins ältester und wichtigster Park liegt genau dort, wo die Stadt am dichtesten ist — und trotzdem verliert man sich in ihm nach fünf Minuten. 210 Hektar Wiesen, Wasserläufe, Baumgruppen und Sichtachsen reichen vom Brandenburger Tor bis zum Zoologischen Garten; darin verstecken sich Inseln, ein See mit Ruderbooten, ein Glockenspielturm, Dutzende Denkmäler und eine Siegessäule, die man von fast jeder Lichtung aus über den Kronen sieht. Was aussieht wie ein alter, gewachsener Wald, ist in Wahrheit die zweite Fassung: Nach 1945 standen von rund 200 000 Bäumen noch etwa 700, der Rest war verheizt oder zerstört. Was heute hier wächst, wurde ab 1949 gespendet und gepflanzt.

Höhepunkte

  • Die Siegessäule — 1864 bis 1873 nach Entwurf von Heinrich Strack errichtet und am 2. September 1873 eingeweiht. Mit der vergoldeten Victoria von Friedrich Drake, 8,32 Meter hoch und rund 35 Tonnen schwer, misst sie 67 Meter; über 285 Stufen erreicht man die Aussichtsplattform in gut 50 Metern Höhe. 1938/39 wurde das Monument vom Königsplatz an den Großen Stern versetzt und dabei um eine vierte Säulentrommel erhöht. Der Aufstieg ist kostenpflichtig.
  • Der Neue See mit Bootsverleih — das größte Gewässer im Park, angelegt in der Lenné-Zeit, mit Ruderbooten in der warmen Jahreshälfte und einem Biergarten am Ufer. Die Uferlinie ist bewusst unregelmäßig geführt, damit sich beim Umrunden immer neue Blickwinkel öffnen.
  • Der Englische Garten — rund 40 000 Quadratmeter, am 25. Mai 1952 vom britischen Außenminister Anthony Eden eröffnet und mit Pflanzenspenden aus Großbritannien angelegt. Er ist bis heute der gärtnerisch feinste Teil des Parks, mit Staudenbeeten und einem kleinen Teehaus.
  • Luiseninsel und Rousseau-Insel — zwei Inselgärten unterschiedlicher Epochen: Die Rousseau-Insel entstand 1792 als Erinnerungsort nach französischem Vorbild und ist nicht betretbar, die Luiseninsel trägt seit 1880 das Standbild der Königin Luise von Erdmann Encke und ist ein von Hecken gefasster, sehr stiller Blumengarten.
  • Das Carillon — 1987 zum 750-jährigen Stadtjubiläum errichtet: ein 42 Meter hoher Turm mit 68 Glocken, eines der größten Glockenspiele überhaupt. In der warmen Jahreszeit gibt es sonntags Konzerte, die man von der Wiese davor hört.
  • Das Sowjetische Ehrenmal am nördlichen Rand — am 11. November 1945 eingeweiht, mit einer acht Meter hohen Bronzefigur eines Rotarmisten nach Entwurf von Lew Kerbel und Wladimir Zigal, flankiert von zwei T-34-Panzern und zwei Haubitzen. Hinter der Anlage liegt ein Gräberfeld mit etwa 2000 im April und Mai 1945 gefallenen Soldaten. Bemerkenswert: Die Anlage stand nach der Sektorenaufteilung im britischen Sektor.

Was dich erwartet

Der Tiergarten ist kein Rasenpark, sondern ein bewusst komponierter Landschaftsgarten mit Waldcharakter. Peter Joseph Lenné hat ihn in den 1830er Jahren so angelegt, dass sich beim Gehen ständig neue Bilder ergeben: Man tritt aus einem dichten Gehölz auf eine Wiese, sieht am Ende einen Wasserlauf, dahinter wieder Bäume. Wege führen in Bögen, kaum eine Achse ist gerade, und selbst an vollen Sommertagen findet man nach wenigen hundert Metern eine leere Bank. Die Randbereiche gehören dagegen der Stadt: Regierungsviertel im Osten, Botschaften im Süden, Hansaviertel im Norden, Zoo im Westen.

  • 210 Hektar Fläche im Bezirk Mitte, seit 1991 als Gartendenkmal geschützt — der Große Stern ist von diesem Schutz ausgenommen.
  • Ein dichtes Netz aus Wasserläufen, Teichen und Brücken, darunter die 1838 gebaute Löwenbrücke, deren Tragseile von vier Löwenskulpturen gehalten werden.
  • Dutzende Denkmäler und Skulpturen — Goethe, Lessing, Fontane, Lortzing, Wagner, das Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmal von 1904 sowie Jagdszenen-Gruppen entlang eines Reitweges im Westen.
  • Erinnerungsorte an den Rändern: das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen von 2008, das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas von 2012 nach Entwurf von Dani Karavan und der Gedenk- und Informationsort für die Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde.
  • Ein Gaslaternen-Freilichtmuseum, 1978 mit dem Senat und den Berliner Gaswerken angelegt: rund 90 Standorte mit Laternen aus den Jahren 1826 bis 1956 aus deutschen und europäischen Städten. Die Sammlung ist durch Vandalismus stark beschädigt, über Restaurierung und Verlagerung wird seit Jahren diskutiert.
  • Gastronomie im Park — Biergarten am Neuen See, Teehaus im Englischen Garten und ein Ausflugslokal in der Nähe des Carillons; Grillen ist nur auf den ausgewiesenen Flächen erlaubt.

Was man unternehmen kann — und für wen

  • Spaziergängerinnen und Erholungssuchende — der Park lässt sich in beliebiger Länge durchqueren; zwischen Ost- und Westrand liegen gut drei Kilometer, und man kann dabei ohne eine einzige Ampel gehen.
  • Familien mit Kindern — Bootfahren auf dem Neuen See, Enten und Graureiher an den Teichen, Spielplätze am Nordrand und die Möglichkeit, den Zoologischen Garten anzuschließen, der seit 1844 am Westrand liegt und der älteste Zoo Deutschlands ist.
  • Geschichts- und Architekturinteressierte — auf kurzer Strecke stehen ein Denkmal des Kaiserreichs, ein sowjetisches Ehrenmal von 1945, die Kongresshalle von 1957 als Beitrag der USA zur Interbau und Schloss Bellevue von 1786, seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten.
  • Läuferinnen und Radfahrer — weiche, wenig frequentierte Nebenwege im Inneren, dazu lange durchgehende Verbindungen von Ost nach West; im Sommer ist der Baumschatten der eigentliche Vorteil gegenüber offenen Parks.
  • Vogelbeobachtende — Nachtigallen in den dichten Gehölzrändern, Graureiher an den Wasserläufen, Spechte in den Altbäumen und ganzjährig Füchse und Kaninchen; die Bestände profitieren davon, dass große Teile des Unterholzes ungepflegt bleiben dürfen.
  • Musikpublikum — die Carillon-Konzerte in der warmen Jahreshälfte sind kostenlos und werden von der Wiese aus gehört; zusätzlich finden im Park und in den angrenzenden Kulturbauten regelmäßig Veranstaltungen statt.

Anfahrt & Praktisches

Der Park liegt im Bezirk Mitte und ist von allen Seiten mit dem Nahverkehr erreichbar. Im Norden halten die S-Bahnhöfe Tiergarten und Bellevue mit den Linien S3, S5, S7 und S9 direkt am Parkrand; ebenfalls nah ist der U-Bahnhof Hansaplatz der Linie U9. Im Osten führen der U-Bahnhof Brandenburger Tor mit der U5 und den S-Bahn-Linien S1, S2, S25 und S26 sowie der U-Bahnhof Bundestag der Linie U5 an den Park heran. Im Süden liegen Potsdamer Platz mit U2, S1, S2, S25 und S26, im Westen der Bahnhof Zoologischer Garten mit U2, U9, S-Bahn und Regionalzügen. Quer durch den Park fahren außerdem die Buslinien 100 und 200, die am Großen Stern halten — praktisch, wenn man nur einen Teil zu Fuß gehen möchte. Der Park ist frei zugänglich, nicht umzäunt und rund um die Uhr offen; Eintritt kostet nur der Aufstieg auf die Siegessäule, dazu Zoo, Bootsverleih und Gastronomie. Für eine Durchquerung von Ost nach West sollte man rund eineinhalb Stunden ansetzen, für eine Runde mit Neuem See, Englischem Garten, Luiseninsel und einer Pause drei bis vier Stunden. Hunde sind erlaubt, Grillen nur auf ausgewiesenen Flächen; Toiletten gibt es an den Gastronomiestandorten.

Wann besuchen

Der Frühling ist die stärkste Zeit: Ab März blühen Krokusse und Narzissen flächig unter den Altbäumen, im April und Mai stehen die Rhododendren im Englischen Garten, und weil das Laub noch dünn ist, sieht man Lennés Sichtachsen so klar wie sonst nie. Der Sommer macht den Park zur Klimaanlage der Innenstadt — unter geschlossenem Kronendach ist es an Hitzetagen spürbar kühler als auf offenen Flächen, der Biergarten am Neuen See läuft, die Ruderboote sind unterwegs, und sonntags spielt das Carillon. An Wochenenden sind die ausgewiesenen Grillflächen früh belegt. Der Herbst färbt die nach 1949 gepflanzten Buchen, Ahorne und Eichen in kurzer Zeit durch; das Licht steht flach über den Wiesen, und der Neue See spiegelt die Farben — es ist die Zeit, in der Fotografierende hier am meisten finden. Im Winter tritt die Struktur hervor: Ohne Laub liest man die Baumgruppen und Wasserläufe als Komposition, die Siegessäule ist von fast jedem Punkt sichtbar, und bei Schnee gehören die Wege den Wenigen, die sich hinaustrauen. Bei Frost frieren die Teiche zu, betreten werden dürfen sie nicht.

Gut zu wissen

Die Geschichte beginnt um 1527/1530, als die brandenburgischen Kurfürsten westlich des Berliner Stadtschlosses ein umzäuntes Jagdrevier anlegen ließen — daher der Name. Zwischen 1695 und 1699 ließ Friedrich I. eine breite Schneise durch das Revier schlagen, die das Stadtschloss mit Charlottenburg verband; damals entstanden der Große Stern mit acht sternförmig zulaufenden Wegen und ein zweiter Platz mit sieben. Den entscheidenden Bruch brachte 1742 Friedrich II.: Da er die Jagd nicht schätzte, beauftragte er Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, die Zäune niederzulegen und das Revier in einen „Lustpark“ für die Bevölkerung umzubauen — mit barocken Parterres, Wasserbecken, Salons und Pavillons. Damit gehört der Tiergarten zu den frühesten öffentlichen Parkanlagen Europas. Die heutige Gestalt geht auf Peter Joseph Lenné zurück: Er legte 1818 einen Plan vor, der zwischen 1833 und 1840 umgesetzt wurde und die barocke Ordnung in einen englischen Landschaftsgarten überführte — mit geschwungenen Wegen, Wiesen, Gehölzgruppen, künstlichen Wasserläufen und der 1838 gebauten Löwenbrücke. 1873 kam die Siegessäule hinzu, zwischen 1895 und 1901 eine Denkmalallee mit 32 Marmorgruppen preußischer Herrscher, deren erhaltene Figuren heute in der Zitadelle Spandau stehen. Unter dem NS-Regime wurde die zentrale Ost-West-Achse von 27 auf 53 Meter verbreitert und die Siegessäule 1938/39 an den Großen Stern versetzt. Der Zweite Weltkrieg zerstörte den Park fast vollständig: Von rund 200 000 Bäumen blieben etwa 700 stehen, der Rest fiel Bomben, Kämpfen und dem Brennholzbedarf des Hungerwinters zum Opfer. Danach wurde die Fläche in mehr als 2500 Parzellen aufgeteilt und mit Kartoffeln und Gemüse bestellt. Die Wiederaufforstung leitete ab 1949 der Gartenbaudirektor Willy Alverdes; rund 250 000 gespendete Jungbäume kamen aus westdeutschen Städten und Baumschulen, und den Anfang machte der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter, der am 17. März 1949 die erste Linde pflanzte. 1952 kam der Englische Garten hinzu, 1987 das Carillon zum Stadtjubiläum. Seit 1991 steht der Park als Gartendenkmal unter Schutz. Eine späte Korrektur brachte 2006 der Tiergartentunnel: Mit ihm konnte eine breite Durchgangsstraße im Ostteil zurückgebaut werden, wodurch getrennte Parkbereiche wieder zusammenwuchsen.

Besuchertipps

  • Nicht auf den Hauptachsen bleiben. Die schönsten Partien — Wasserläufe, Brücken, die Inselgärten — liegen abseits, und genau dafür hat Lenné die geschwungenen Nebenwege angelegt. Ein einfacher Trick: an jeder Gabelung den schmaleren Weg nehmen.
  • Für den Blick von der Siegessäule früh kommen: Die Plattform ist eng, das Treppenhaus mit 285 Stufen einspurig, und ab dem späten Vormittag staut es sich. Der Zugang erfolgt durch Fußgängertunnel unter dem Kreisverkehr — über die Fahrbahn kommt man nicht hin.
  • Im Sommer den Park als Abkürzung nutzen: Wer zwischen Regierungsviertel und Zoo unterwegs ist, geht unter Bäumen statt an Hauptstraßen entlang — es ist die kürzere, kühlere und ruhigere Verbindung, und Bus 100 fährt dieselbe Strecke, wenn die Beine nicht mehr wollen.

Fragen & Antworten

Kostet der Eintritt etwas? Nein, der Park ist frei zugänglich und rund um die Uhr geöffnet. Kostenpflichtig sind nur einzelne Einrichtungen: der Aufstieg auf die Siegessäule, der Zoologische Garten, der Bootsverleih und die Gastronomie.

Wie groß ist der Große Tiergarten? 210 Hektar. Damit ist er nach dem Tempelhofer Feld die zweitgrößte Parkanlage Berlins und zugleich die älteste.

Warum heißt er Tiergarten, wenn es keine Tiere gibt? Weil die Fläche ab 1527/1530 tatsächlich ein umzäuntes kurfürstliches Jagdrevier war. Erst 1742 ließ Friedrich II. die Zäune abbauen und die Anlage in einen öffentlichen Lustpark umwandeln. Den Zoologischen Garten am Westrand gibt es seit 1844, er ist eine eigenständige Einrichtung.

Kann man auf die Siegessäule steigen? Ja, über 285 Stufen zur Aussichtsplattform in gut 50 Metern Höhe. Der Aufstieg ist kostenpflichtig, der Zugang führt durch Fußgängertunnel unter dem Kreisverkehr, und einen Aufzug gibt es nicht.

Gibt es Boote? Ja, auf dem Neuen See werden in der warmen Jahreshälfte Ruderboote vermietet; direkt daneben liegt ein Biergarten. Außerhalb der Saison ruht der Verleih.

Sind die alten Bäume noch original? Nur sehr wenige. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen von etwa 200 000 Bäumen noch rund 700; der übrige Bestand wurde zerstört oder als Brennholz geschlagen. Die heutigen Bäume gehen überwiegend auf die Wiederaufforstung ab 1949 zurück, für die rund 250 000 Jungpflanzen gespendet wurden.

Darf man grillen und Hunde mitnehmen? Hunde ja, Grillen nur auf den dafür ausgewiesenen Flächen. Weil der Park seit 1991 Gartendenkmal ist, gelten für Rasen, Gehölze und Wege engere Regeln als in einfachen Grünanlagen.

Was hat es mit dem sowjetischen Denkmal im Park auf sich? Es wurde am 11. November 1945 eingeweiht und ist zugleich Grabstätte für etwa 2000 in den Kämpfen um Berlin gefallene Soldaten der Roten Armee. Die acht Meter hohe Bronzefigur stammt von Lew Kerbel und Wladimir Zigal; flankiert wird sie von zwei T-34-Panzern und zwei Haubitzen.

Wie viel Zeit sollte man einplanen? Für die Durchquerung von Ost nach West rund eineinhalb Stunden. Mit Neuem See, Englischem Garten, Luiseninsel und einer Pause sind es drei bis vier Stunden; wer zusätzlich die Siegessäule besteigt, plant eine weitere Stunde ein.

Gästebewertungen

  1. Олександр Гордійчук

    Der Tiergarten in Berlin – das grüne Herz der Stadt. Der weitläufige Park mit malerischen Alleen, Teichen und Denkmälern schenkt Ruhe und Inspiration. Ein idealer Ort für Spaziergänge, Sport und Erholung inmitten der Nat…

  2. Kateryna Shydlovska

    Ein sehr großer und schöner Park, dort gibt es Kaninchen.

  3. Nataliia Tkachenko

    «Eine große Oase inmitten des Großstadtdschungels». Sauber und gepflegt: viele Wege und Bänke, Skulpturen und kleine Gärten. Hier laufen Hasen und Enten frei herum.

  4. YuliiaZa

    Ein prächtiger, riesiger Park mit Gewässern, verschiedenen Pflanzenbereichen, Skulpturen und Bänken. In seinem Inneren befindet sich außerdem der Große Stern (ein Kreisverkehr mehrerer Straßen), wo die Siegessäule steht.

  5. Nataliia Liaskovets

    Ein riesiger Park, viele Blumen ohne Beete. Wir haben ein Häschen gesehen. Bänke zum Ausruhen. Es gibt ein Rosarium, Skulpturen. Im Frühling und Sommer ist es bestimmt richtig gemütlich!

Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 07:55:26

Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: berlinname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

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