Die Geschichte des Berliner Sees Orankesee, benannt nach einer norwegischen Prinzessin

Es gibt eine märchenhafte Legende über die norwegische Prinzessin Oranke. Man sagt, sie war die Frau eines Wikingers, dem sie untreu wurde. Zur Strafe wurde sie verurteilt, in einem der Seen nahe dem Dorf Hohenschönhausen zu leben. Dort lebten bereits einige andere Nixen. Wenn der Mond besonders hell schien, sollen die Nixen an die Oberfläche gekommen sein, gelacht, gescherzt und gespielt haben. Eines Nachts sah ein Wanderer die Nixen, wurde von ihrer Schönheit verzaubert und folgte ihnen ins Wasser. Seitdem wurde er nie wieder gesehen. Mehr über die wahre Geschichte des Orankesees lesen Sie auf berlinname.eu.

Eiszeit

Der Orankesee liegt im Zentrum des Berliner Bezirks Hohenschönhausen. Er ist einer der weniger bekannten Seen Berlins, obwohl er mit einem wunderbaren Strand ausgestattet ist, der ausschließlich zum Baden genutzt werden darf. Hier gibt es auch eine 52 Meter lange Wasserrutsche. Der Rest des Sees gehört den Anglern, die hier Aale, Hechte, Karpfen und Zander fangen können.

Die Geschichte des Orankesees, wie die vieler anderer Berliner Seen und ihrer Umgebung, geht auf globale natürliche Prozesse während der Eiszeit vor rund 20.000 Jahren zurück. Diese Prozesse prägten das Gebiet zwischen Warschau und Berlin und formten das Berliner Urstromtal. Mit dem Schmelzen der Gletscher entstanden zahlreiche Seen, darunter der Orankesee sowie die Seen Faulen-See, Weißen-See und Malchower-See im heutigen Bezirk Pankow und Lichtenberg.

Das Eis des Orankesees

Das Eis spielte eine entscheidende Rolle in der jüngeren Geschichte dieses kleinen Sees in Hohenschönhausen. Nachdem die Gemeinde rund um den See einen Park angelegt hatte, eröffnete hier 1913 eine Eisfabrik. Diese lieferte Natur-Eis an Restaurants und Geschäfte, bevor Kühlgeräte erfunden wurden. Auch das Speiseeis der Fabrik wurde in der Umgebung bekannt.

1926 verkaufte die Fabrik ihre Gebäude an die Stadt Berlin. Zu dieser Zeit wurde der Theaterdirektor des Weißenseer Theaters, Wilhelm Heinrich (Künstlername Heiden Heinrich), aktiv und verwirklichte seine Vision für die Region. Mit seiner Hilfe wurde eine Kette von Sandinseln und das Strandbad Orankesee geschaffen – genau das, was sich die Anwohner gewünscht hatten. Zudem wurde eine Brauerei am Seeufer, die seit 1892 existierte, zu einer modernen Schänke umgebaut. Gerüchten zufolge stammt der Sand des Strands vom Ostseestrand, andere behaupten, er sei Bausand vom Alexanderplatz.

Krieg und Besatzung

Unter Heiden Heinrich erlebten der Orankesee und der Gasthof mit seinen Terrassen glanzvolle Jahre. Der Gasthof bot Platz für Tausende Besucher und lockte mit einem Bierkeller, einem Tanzsaal, offenen Terrassen und einem kleinen Freilichttheater. Es gab eine Kegelbahn, eine Weinbar, einen Jagdgarten mit Damwild und Rhesusaffen sowie eine schwimmende Weinterrasse, die abends von Laternen beleuchtet wurde.

Der Zweite Weltkrieg und die anschließende Besatzung beendeten das Vergnügen am Orankesee. 1944 zerstörten Bomben den Strand und den Gasthof. Nach Kriegsende wurde das Gebiet abgesperrt, da es von sowjetischen Kommandanten und später von Stasi-Mitarbeitern genutzt wurde. Erst 1957 wurde der See wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und der Strand wurde repariert. Nach dem Fall der Berliner Mauer war lange unklar, ob der Gasthof jemals wieder aufgebaut werden würde.

2013 fand sich schließlich ein Investor, der eine neue Schänke errichtete. Die Bewohner von Hohenschönhausen hatten lange darauf gewartet, dass der See wieder belebt wurde. Seit 2017 kann man auf der geräumigen Terrasse mit Blick auf den See wieder speisen und Getränke genießen.

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