Schlossgarten Charlottenburg

Park · Berlin · ⭐ 9.5/10 · 10764 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 07:55:29

Adresse: Spandauer Damm 10-22, 14059 Berlin-Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Deutschland

Schlossgarten Charlottenburg — Barockparterre, Landschaftsgarten und königliche Grabstätte an der Spree

Kaum ein anderer Ort in Berlin zeigt so klar, wie sich europäischer Gartengeschmack über drei Jahrhunderte verschoben hat: Direkt hinter dem Schloss liegt ein streng geometrisches Barockparterre mit Broderien und Wasserbecken, und wenige Schritte weiter beginnt ein weicher englischer Landschaftsgarten mit Teich, Wiesenbuchten und alten Solitärbäumen. Dazwischen stehen drei Kleinode preußischer Baukunst — ein Teehaus von 1788, ein Mausoleum von 1810 und eine Schinkel-Villa von 1824/25. 55 Hektar groß, kostenlos zugänglich und trotzdem der ruhigste große Garten der westlichen Innenstadt.

Höhepunkte

  • Barockparterre — der französisch geprägte Gartenteil unmittelbar am Schloss, ab 1697 von Siméon Godeau angelegt und nach den Kriegszerstörungen rekonstruiert; Buchsbroderien, Blumenrabatten und Wasserbecken in strenger Achsensymmetrie.
  • Mausoleum — 1810 auf Anordnung Friedrich Wilhelms III. für die verstorbene Königin Luise errichtet, Entwurf von Heinrich Gentz unter Mitwirkung Karl Friedrich Schinkels; hier stehen die Marmorgrabmäler Luises und Friedrich Wilhelms III. von Christian Daniel Rauch sowie die Sarkophage Kaiser Wilhelms I. und der Kaiserin Augusta von Erdmann Encke.
  • Belvedere — 1788 von Carl Gotthard Langhans als Teehaus für Friedrich Wilhelm II. gebaut; heute beherbergt der Bau eine bedeutende Porzellansammlung der Königlichen Porzellan-Manufaktur als Dauerleihgabe des Landes Berlin.
  • Neuer Pavillon — 1824/25 von Karl Friedrich Schinkel für Friedrich Wilhelm III. im Stil einer neapolitanischen Villa errichtet, seit der Nachkriegszeit meist Schinkelpavillon genannt.
  • Karpfenteich und Landschaftsgarten — der von Peter Joseph Lenné ab 1819 geformte Teil mit weichen Uferlinien, Baumgruppen und Sichtachsen, der übergangslos in den Barockteil greift.
  • Spreelage — der Garten grenzt im Norden an den Fluss; der Uferweg gehört zu den stillsten Abschnitten der ganzen Anlage.

Was dich erwartet

Der Garten funktioniert wie ein Lehrstück in zwei Kapiteln. Vom Schloss aus blickt man in eine vollständig kontrollierte Barockachse — geschnittene Hecken, symmetrische Beete, ein Bassin als Fluchtpunkt. Wer dieser Achse folgt und dann seitlich abbiegt, steht plötzlich in einer bewusst „natürlich“ komponierten Landschaft, in der Wege sich krümmen und Bäume als Einzelfiguren stehen. Die drei historischen Bauwerke sind so platziert, dass sie erst im letzten Moment sichtbar werden.

  • Weite Rasenflächen im Landschaftsteil, auf denen Liegen und Picknicken erlaubt ist
  • Ein dichtes Wegenetz, auf dem seit 2008 auch Radfahren zulässig ist
  • Der Karpfenteich mit Uferrundweg und altem Baumbestand
  • Drei besichtigbare Bauwerke: Belvedere, Mausoleum und Neuer Pavillon, jeweils mit eigenem Zugang
  • Der Spreeuferbereich im Norden, deutlich ruhiger als die Hauptachse
  • Sitzgelegenheiten und Sichtpunkte entlang der Hauptachse mit Blick zurück auf die Schlossfassade

Was man unternehmen kann — und für wen

  • Kultur- und Architekturinteressierte — Godeau, Lenné, Langhans, Gentz und Schinkel auf einem Gelände: eine dichter gepackte Sammlung preußischer Baukunst gibt es in Berlin kaum.
  • Familien — die großen Rasenflächen im Landschaftsteil sind ideal zum Picknicken, während die Barockachse für Kinder eher zum Durchlaufen taugt.
  • Spaziergänger und Ruhesuchende — je weiter man sich vom Schloss entfernt, desto leerer wird der Garten; am Spreeufer ist selbst am Wochenende wenig los.
  • Fotografinnen und Fotografen — die symmetrische Achse mit Bassin und Schlossfassade ist das klassische Motiv, der Karpfenteich liefert die weichen Gegenbilder.
  • Radfahrende — Radfahren ist seit 2008 erlaubt, was den Garten zu einer angenehmen Durchfahrt auf dem Weg entlang der Spree macht.
  • Museumsbesucher — wer das Schloss ohnehin besucht, kann mit Belvedere und Neuem Pavillon zwei kleinere, deutlich ruhigere Sammlungen anschließen.

Anfahrt & Praktisches

Der Garten liegt im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und ist gut erschlossen: Die U7 hält am Richard-Wagner-Platz, die U2 am Sophie-Charlotte-Platz, von beiden sind es rund fünfzehn Minuten zu Fuß oder wenige Minuten mit dem Bus. Die Buslinie M45 fährt direkt am Schloss vorbei, weitere Linien binden den Norden und Osten an; im Westen liegt die Ringbahn in erreichbarer Nähe. Der Eintritt in den Garten selbst ist frei, geöffnet ist er ganzjährig täglich ab 8 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Kostenpflichtig sind dagegen die Bauwerke: Belvedere, Neuer Pavillon und Mausoleum werden von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg betrieben und haben eigene, teils saisonale Öffnungszeiten — das Mausoleum ist in der Regel nur im Sommerhalbjahr zugänglich. Für einen Gartenspaziergang mit Barockparterre, Teich und Spreeufer genügen eineinhalb Stunden; wer zusätzlich die drei Bauwerke besichtigt, sollte einen halben Tag einplanen.

Wann besuchen

Im Frühjahr ist der Garten am schönsten geordnet: Die Broderien des Barockparterres werden neu bepflanzt, die Rabatten stehen scharf gezeichnet da, und die Baumkronen im Landschaftsteil sind noch licht genug, um die Sichtachsen ganz zu zeigen. Der Sommer verlagert das Leben auf die Rasenflächen hinter dem Parterre und ans Spreeufer, während die kühlen Innenräume von Mausoleum und Belvedere zur willkommenen Pause werden. Der Herbst ist die Zeit der alten Solitärbäume — die Laubfärbung im Lenné-Teil ist die stärkste Farbszene des Jahres, und die Wege sind spürbar leerer. Im Winter tritt die Bauform hervor: geschnittene Hecken unter Reif, die kahle Tannenallee zum Mausoleum und eine Schlossfassade, die ohne Laub in voller Breite in der Achse steht.

Gut zu wissen

Die Anlage begann als Sommerresidenz für Kurfürstin Sophie Charlotte; ab 1697 legte Siméon Godeau, ein Schüler André Le Nôtres, den Garten als französischen Barockgarten an — nach verbreiteter Einschätzung der erste dieser Art auf deutschem Boden. Nach dem Tod Sophie Charlottes 1705 erhielten Schloss und Ort den Namen Charlottenburg. Der Barockgarten blieb gut ein Jahrhundert das Leitbild, bis Peter Joseph Lenné ab 1819 begann, große Teile in einen englischen Landschaftsgarten umzuformen; seither trägt der Schlossgarten beide Handschriften gleichzeitig. Die Bauwerke kamen nach und nach hinzu: 1788 das Belvedere von Carl Gotthard Langhans, ursprünglich ein Teehaus für Friedrich Wilhelm II., in dem sich auch der Rosenkreuzerorden traf, dem der König angehörte. 1810 folgte das Mausoleum: Nach dem Tod Königin Luises ließ Friedrich Wilhelm III. an einem ihrer Lieblingsplätze am Ende einer dunklen Tannenallee einen Gedächtnisbau errichten, entworfen von Heinrich Gentz unter Mitwirkung Schinkels und des Königs selbst und in nur fünf Monaten fertiggestellt. Christian Daniel Rauch schuf das Grabmal der Königin; später wurden hier auch Friedrich Wilhelm III. sowie 1888 Kaiser Wilhelm I. und 1890 Kaiserin Augusta beigesetzt, deren Marmorsarkophage von Erdmann Encke stammen. 1824/25 baute Schinkel für Friedrich Wilhelm III. den Neuen Pavillon im Stil einer neapolitanischen Villa. Der Zweite Weltkrieg traf Schloss und Garten schwer; der originalgetreue Wiederaufbau in den Nachkriegsjahrzehnten geht wesentlich auf Margarete Kühn zurück, die sich gegen den damals verbreiteten Abrissgedanken durchsetzte. Heute verwaltet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die 55 Hektar; Radfahren im Garten ist seit 2008 erlaubt.

Besuchertipps

  • Geh die Hauptachse einmal bis ans Ende und dreh dich dann um — der Rückblick auf die Schlossfassade über Bassin und Parterre ist der eigentlich komponierte Blick, nicht der vom Schloss aus.
  • Plane das Mausoleum als Erstes ein, falls du es sehen willst: Es hat kürzere und saisonal begrenzte Öffnungszeiten als der Garten selbst.
  • Wer Ruhe sucht, hält sich Richtung Spreeufer im Norden — die Besucherströme bleiben fast vollständig auf der Achse hinter dem Schloss.

Fragen & Antworten

Kostet der Schlossgarten Eintritt? Nein, der Garten selbst ist kostenlos zugänglich. Eintritt kostet nur die Besichtigung der Bauwerke — Belvedere, Neuer Pavillon und Mausoleum — sowie des Schlosses.

Wann ist der Garten geöffnet? Ganzjährig täglich ab 8 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Bauwerke haben davon abweichende, teils saisonale Zeiten; das Mausoleum ist in der Regel nur im Sommerhalbjahr zugänglich.

Wer ist im Mausoleum bestattet? Königin Luise, für die der Bau 1810 errichtet wurde, sowie Friedrich Wilhelm III.; nach 1888 kamen Kaiser Wilhelm I. und 1890 Kaiserin Augusta hinzu. Die Grabmäler stammen von Christian Daniel Rauch und Erdmann Encke.

Warum wirkt der Garten so uneinheitlich? Weil er zwei Epochen gleichzeitig zeigt: den ab 1697 von Siméon Godeau angelegten französischen Barockgarten und den ab 1819 von Peter Joseph Lenné geschaffenen englischen Landschaftsgarten. Beide wurden nach dem Krieg nebeneinander wiederhergestellt.

Darf man im Garten Rad fahren? Ja, seit 2008 ist Radfahren auf den Wegen erlaubt. Auf den Rasenflächen im Landschaftsteil ist außerdem Liegen und Picknicken möglich.

Wie viel Zeit sollte man einplanen? Für einen reinen Gartenspaziergang mit Parterre, Karpfenteich und Spreeufer reichen eineinhalb Stunden. Mit Belvedere, Neuem Pavillon und Mausoleum wird daraus leicht ein halber Tag.

Wie groß ist die Anlage? Rund 55 Hektar, verwaltet von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Damit gehört sie zu den größten historischen Gartenanlagen im Berliner Stadtgebiet.

Was ist im Belvedere zu sehen? Der 1788 von Carl Gotthard Langhans als Teehaus errichtete Bau zeigt heute eine bedeutende Sammlung von Porzellan der Königlichen Porzellan-Manufaktur, die dem Haus als Dauerleihgabe des Landes Berlin überlassen wurde.

Gästebewertungen

  1. Микола Мартиненко

    Ein sehr schöner und eleganter Park.
    Viel Interessantes auf dem Gelände, ein schöner Ort zum Entspannen und einfach für Spaziergänge.

  2. Алена Карпенко

    Ein außergewöhnlich schöner Park und das Schloss selbst. Nehmt unbedingt an einer Führung teil! Mit ukrainischen Dokumenten ist der Eintritt frei. Wir haben eine Menge positiver Emotionen von der leuchtenden und positive…

  3. Ihor Khilchenko

    Die Eindrücke sind wunderbar!!! Ein herrlicher Park im englischen und französischen Stil. Ein angenehmer Spaziergang, der in Erinnerung bleibt. Für alle empfohlen!

  4. Вікторія Вікторія

    Ein angenehmer Park. Ein schöner Ort für die Erholung am Wochenende. Schwäne, Enten, Eichhörnchen, Nadelbäume und Blumen. Ein großes Gelände für Spaziergänge. Unbedingt einen Besuch wert!

  5. Vladyslav F

    Der Park besteht sozusagen aus zwei Teilen. Der eine, neben dem Schloss, ist mehr oder weniger schön, reicht aber zum Beispiel nicht an das Belvedere in Venedig heran. Irgendwie hat man den Eindruck, dass etwas nicht gan…

Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 07:55:29

Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: berlinname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

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