Park · Berlin · ⭐ 9.1/10 · 24751 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 07:55:25
Adresse: Bernauer Str. 63, 13355 Berlin, Deutschland
Mauerpark — aus dem Todesstreifen wurde Berlins lauteste Sonntagsbühne
Kaum ein Park der Stadt erzählt seine Herkunft so unverblümt: Der Mauerpark liegt exakt dort, wo bis 1989 der Grenzstreifen zwischen Ost- und West-Berlin verlief, und ein 300 Meter langes Stück der Hinterlandmauer steht noch — heute als legale Graffitiwand, die sich Woche für Woche neu überschreibt. Auf gut 14 Hektar zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen trifft an Sonntagen alles aufeinander, was Berlin ausmacht: ein Flohmarkt mit mehreren hundert Ständen, ein Amphitheater voller Karaoke-Publikum, Trommelkreise, Grillrauch und Menschen, die einfach auf der Böschung sitzen und zusehen. Wer Ruhe sucht, kommt werktags; wer Berlin sehen will, kommt sonntags.
Höhepunkte
- Die Mauerreste als Freiluftgalerie — rund 300 Meter der ehemaligen Hinterlandmauer stehen auf der Böschung zum Sportpark. Seit 2019 ist die Wand offiziell für Graffiti freigegeben; die Motive wechseln fast wöchentlich, weshalb kaum ein Foto von hier zweimal gleich aussieht.
- Das Bearpit Karaoke im Amphitheater — seit 2009 baut Joe Hatchiban an Sonntagen seine mobile Anlage im steinernen Rund auf. Regelmäßig sitzen über tausend Zuschauende auf den Stufen, während Freiwillige in der Mitte singen; der Eintritt ist frei, es gibt keine Bühne und keine Anmeldefrist außer der Warteschlange.
- Der Sonntagsflohmarkt — seit 2004 an jedem Sonntag, mit mehr als 400 Ständen und an guten Tagen einer fünfstelligen Besucherzahl. Verkauft wird alles vom DDR-Nachlass über Schallplatten bis zu selbst genähter Kleidung.
- Das Birkenwäldchen — über 250 Sandbirken auf der Anhöhe, gepflanzt als Teil des Parkkonzepts. Der lichte Bestand ist der einzige echte Schattenplatz im ansonsten sehr offenen Park.
- Die Kinder- und Jugendfarm Moritzhof — seit 2000 im nördlichen Parkteil, mit Ziegen, Schafen, Hühnern und Werkstätten; Kinder können hier ohne Anmeldung mitarbeiten und Tiere versorgen.
- Der Blick von der Böschung — die Kante des ehemaligen Bahndamms liegt mehrere Meter über dem Parkniveau und gibt den einzigen freien Blick über die Wiese, den Flohmarkt und die Dächer von Prenzlauer Berg.
Was dich erwartet
Der Mauerpark ist kein Schmuckpark und will auch keiner sein. Der Entwurf des Landschaftsarchitekten Gustav Lange arbeitet mit dem, was da war: der Bahndammböschung, dem harten Höhenversprung, den Resten der Grenzanlagen. Daraus wurde eine Abfolge von großen Rasenflächen, kiesigen Plätzen und Kanten, auf denen man sitzen kann. Die Fläche zieht sich rund einen Kilometer in Nord-Süd-Richtung, ist an vielen Stellen abschüssig und im Sommer stark frequentiert.
- Rund 14,3 Hektar Parkfläche auf der Bezirksgrenze zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen — nach der westlichen Erweiterung ungefähr doppelt so groß wie ursprünglich.
- Ein steinernes Amphitheater in die Böschung gebaut, mit natürlicher Akustik und halbrunder Sitzstufenanlage; außerhalb der Karaoke-Zeiten ein normaler Sitzplatz mit Blick.
- Weite, unbepflanzte Rasenflächen für Picknick, Slackline, Federball und Trommelrunden — an Sommerwochenenden vollständig belegt.
- Ausgewiesene Grillbereiche; außerhalb dieser Zonen ist offenes Feuer nicht erlaubt, und der Müll gehört in die aufgestellten Container.
- Spiel- und Sportflächen im erweiterten westlichen Teil, dazu Basketball und Tischtennis; direkt angrenzend liegen die Max-Schmeling-Halle und der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.
- Ein Fußgängersteg über die Bahnanlagen im Süden, der die beiden Ortsteile verbindet und aus der Höhe einen guten Überblick über die Parkachse gibt.
Was man unternehmen kann — und für wen
- Flohmarktgängerinnen und Sammler — der Sonntagsmarkt startet am Vormittag; wer Vinyl, Vintage-Kleidung oder Ostalgie-Fundstücke sucht, kommt früh, solange die Gänge noch begehbar sind.
- Musik- und Karaokepublikum — für das Bearpit Karaoke braucht es nichts als Sitzfleisch auf den Stufen; wer selbst singen will, trägt sich vor Ort in die Liste ein. Die Saison läuft mit dem Wetter, ungefähr vom Frühjahr bis in den Herbst.
- Familien mit Kindern — die Jugendfarm Moritzhof mit Tieren und Werkstätten, dazu Spielplätze im westlichen Teil; die Böschungswiese eignet sich gut zum Rutschen und Rollen.
- Geschichtsinteressierte — der Park macht den Verlauf der Grenze physisch erfahrbar: Mauerrest, Böschung und der Höhenversprung markieren die alte Trennlinie, südlich davon setzt sich die Spur bis zur Gedenkstätte Berliner Mauer fort.
- Street-Art-Fotografierende — die freigegebene Wand ist eine der wenigen Flächen Berlins, an denen legal und ständig neu gemalt wird; Mittag bis früher Nachmittag liefert das gleichmäßigste Licht auf der Betonfront.
- Ruhesuchende unter der Woche — von Montag bis Freitag ist der Park ein normaler Nachbarschaftspark: Hunde, Jogger, Mittagspausen auf der Wiese, kaum Publikum im Amphitheater.
Anfahrt & Praktisches
Der Park liegt auf der Grenze zwischen den Bezirken Pankow und Mitte, genauer zwischen den Ortsteilen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen. Am nächsten liegt der U-Bahnhof Eberswalder Straße der Linie U2, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß. Direkt an der Ostseite halten die Straßenbahnlinien M1, M10 und 12; die M10 endet nach wenigen Stationen am Hauptbahnhof, was den Park gut an den Fernverkehr anbindet. Von Westen erreicht man ihn über den Bahnhof Gesundbrunnen mit U8, den Ringbahnlinien S41 und S42 sowie S1, S2 und S25, außerdem über den U-Bahnhof Bernauer Straße der Linie U8. Der Eintritt ist frei, der Park nicht umzäunt und rund um die Uhr zugänglich; Kosten entstehen nur beim Flohmarkt und in der umliegenden Gastronomie. Für einen Durchgang von Nord nach Süd genügt eine halbe Stunde. Wer sonntags Flohmarkt und Karaoke verbinden will, sollte drei bis vier Stunden einplanen — der Markt beginnt am Vormittag, das Karaoke füllt sich am frühen Nachmittag. Toiletten sind vorhanden, aber knapp; an Markttagen bilden sich Schlangen.
Wann besuchen
Im Frühling treiben die Birken aus, die Wiesen sind noch nicht abgelaufen, und die Karaokesaison beginnt mit den ersten warmen Sonntagen — die Stimmung ist dann gelöster als im Hochsommer, weil noch nicht alles überfüllt ist. Der Sommer ist der Ausnahmezustand: Grillrauch über der ganzen Fläche, das Amphitheater voll besetzt, der Flohmarkt bis in den Abend, und abends Trommelkreise auf der Böschung. Schatten gibt es fast nur im Birkenwäldchen, also früh kommen oder eine Decke unter die Bäume legen. Im Herbst wird der Park zum ersten Mal wieder überschaubar: Das Birkenlaub färbt sich gelb, die Wiesen erholen sich, und die Graffitiwand bekommt im flachen Licht mehr Tiefe. Der Winter zeigt die nackte Struktur — Böschung, Betonwand, Bahntrasse und die kahlen Birkenstämme. Flohmarkt und Karaoke pausieren oder laufen stark reduziert, dafür sieht man an klaren Tagen von der Anhöhe weit über die Dächer, und man hat den Mauerrest oft für sich allein.
Gut zu wissen
Die Fläche war im 19. Jahrhundert zunächst Exerzierplatz, danach Güterbahnhof: Von 1877 bis 1985 stand hier der Güterbahnhof der Nordbahn, dessen Damm und Böschung die Topografie bis heute prägen. Mit dem Mauerbau 1961 wurde das Gelände zum Sperrgebiet. Die Grenze verlief hier zwischen dem sowjetischen Sektor auf der Seite von Prenzlauer Berg und dem französischen Sektor auf der Seite von Gesundbrunnen; bis 1989 lagen zwischen den beiden Stadtteilen Vorfeld, Hinterlandmauer, Kolonnenweg und Postenwege. Nach dem Fall der Mauer entstand die Idee, den frei gewordenen Streifen nicht zu bebauen, sondern öffentlich zu machen. Der Landschaftsarchitekt Gustav Lange entwarf den Park unter dem Leitgedanken, aus dem Grenzstreifen einen Freiraum zu machen; der erste Abschnitt wurde 1994 eröffnet. 2005 folgte die Erweiterung nach Norden, zwischen 2013 und 2020 wurde der westliche Teil ergänzt, womit sich die Fläche auf rund 14,3 Hektar etwa verdoppelte. Der Sonntagsflohmarkt kam 2004 dazu, das Bearpit Karaoke 2009. Unmittelbar angrenzend liegen zwei Sportbauten mit eigener Geschichte: der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, 1951 auf Trümmerschutt für die Weltfestspiele der Jugend errichtet, und die 1996 eröffnete Max-Schmeling-Halle, die im Zusammenhang mit Berlins Olympiabewerbung entstand. Die 2019 erfolgte Freigabe eines Mauerabschnitts für Graffiti war eine bewusste Entscheidung: Statt die illegale Bemalung zu bekämpfen, wurde sie an dieser Stelle legalisiert und zum Bestandteil des Ortes erklärt.
Besuchertipps
- Sonntags früh kommen: Der Flohmarkt ist vor der Mittagszeit noch begehbar, danach schiebt man sich durch die Gänge. Wer nur das Karaoke sehen will, hat umgekehrt am frühen Nachmittag die beste Chance auf einen Sitzplatz auf den oberen Stufen.
- Der Park hat kaum Schatten. An heißen Tagen ist das Birkenwäldchen die einzige größere Fläche unter Bäumen — und entsprechend früh belegt.
- Wer den historischen Verlauf verstehen will, geht am Mauerrest entlang nach Süden weiter: Dort setzt sich die Spur des Grenzstreifens fort und führt direkt zur Gedenkstätte Berliner Mauer mit erhaltener Grenzanlage und Dokumentationszentrum.
Fragen & Antworten
Kostet der Eintritt etwas? Nein. Der Park ist frei zugänglich, nicht umzäunt und rund um die Uhr offen. Auch Flohmarktbesuch und Karaokezuschauen kosten nichts.
Wann ist das Karaoke? Sonntags, wetterabhängig ungefähr vom Frühjahr bis in den Herbst, meist ab dem frühen Nachmittag. Es findet seit 2009 auf Initiative von Joe Hatchiban statt und wird ohne feste Bühne mit einer mobilen Anlage im Amphitheater aufgebaut.
Wann ist Flohmarkt? Jeden Sonntag, seit 2004. Es sind regelmäßig mehr als 400 Stände; der Markt beginnt am Vormittag und läuft bis in den späten Nachmittag.
Steht hier noch echte Berliner Mauer? Ja, ein rund 300 Meter langer Abschnitt der Hinterlandmauer auf der Böschung zum Sportpark. Seit 2019 darf er legal besprüht werden. Der vollständige Grenzaufbau mit Vorfeld und Kolonnenweg ist südlich davon an der Gedenkstätte Berliner Mauer erhalten.
Wie groß ist der Mauerpark? Rund 14,3 Hektar, etwa einen Kilometer lang in Nord-Süd-Richtung. Der erste Teil öffnete 1994; durch die Erweiterung bis 2020 hat sich die Fläche ungefähr verdoppelt.
Darf man grillen? Ja, auf den ausgewiesenen Flächen. Außerhalb dieser Zonen ist offenes Feuer untersagt. An Sommerwochenenden sind die Grillbereiche früh belegt.
Ist der Park für Kinder geeignet? Ja. Es gibt Spielplätze und die Kinder- und Jugendfarm Moritzhof mit Tieren, die seit 2000 im nördlichen Teil arbeitet. An Sonntagen ist es allerdings sehr voll und laut.
Wie viel Zeit sollte man einplanen? Werktags reicht eine halbe bis eine Stunde für einen Durchgang. Am Sonntag mit Flohmarkt, Karaoke und Pause sind drei bis vier Stunden realistisch.
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Gästebewertungen
Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 07:55:25
Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: berlinname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

Eine schöne Erholungszone, und sonntags gibt es hier auf dem Gelände einen Markt.
Ein Park, an dessen Stelle früher die Berliner Mauer verlief. Jetzt gibt es hier einen Gemeinschaftsgarten, Kinderspielplätze und eine große grüne Erholungszone hier versammeln sich interessante Leute.
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