Tempelhofer Feld

Park · Berlin · ⭐ 9.3/10 · 29457 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 07:55:24

Adresse: Tempelhofer Damm, 12101 Berlin, Deutschland

Tempelhofer Feld — Rollbahnen, Wiesenmeer und ein echter Horizont mitten in Berlin

Wer zum ersten Mal durch eines der Tore tritt, bleibt meistens kurz stehen. Vor einem liegen 355 Hektar ohne Häuserfront, ohne Baumreihe, ohne Kante: nur Gras, Beton und Himmel. Zwei gut zwei Kilometer lange Start- und Landebahnen laufen schnurgerade nach Westen, dazwischen dehnt sich eine Wiesenlandschaft, in der von April an Feldlerchen singen. Das Tempelhofer Feld ist die Stelle, an der Berlin aufhört, eng zu sein — ein stillgelegter Flughafen, den die Stadt 2014 per Volksentscheid zur unbebaubaren Freifläche erklärt hat. Es gibt hier keine Blumenrabatten und kaum Schatten; es gibt Wind, Weite und einen Sonnenuntergang, der nirgendwo sonst in der Innenstadt so vollständig zu sehen ist.

Höhepunkte

  • Die beiden Start- und Landebahnen — 1954 in Beton ausgeführt, die nördliche 2094 Meter, die südliche 2116 Meter lang. Sie sind bis heute begehbar, samt Mittelmarkierung und Schwellenbalken, und geben dem Feld seine strenge Ost-West-Geometrie.
  • Der rund sechs Kilometer lange Rundweg — er folgt dem ehemaligen Rollweg um das gesamte Feld und ist in Spuren für Radfahrende, Skatende und Laufende geteilt. Der Belag ist flach und fugenarm, deshalb gilt die Runde in Berlin als Referenzstrecke für Inline-Skating und Longboard.
  • Die drei Vogelschutzgebiete — abgesteckte Wiesenflächen im Innenraum, die von April bis August nicht betreten werden dürfen. Hier brütet die Feldlerche, ein Bodenbrüter, von dem ein erheblicher Teil des Berliner Bestandes auf dem Feld lebt; dazu kommen Schwarzkehlchen, Steinschmätzer, Neuntöter und Wiesenpieper.
  • Das Allmende-Kontor — der große Gemeinschaftsgarten am östlichen Rand, seit 2011 von Anwohnerinnen und Anwohnern betrieben. Mehrere hundert Hochbeete aus Paletten, Obstkisten und Badewannen bilden ein selbstgebautes Gartendorf mit Sitzecken, Insektenhotels und Tauschregalen.
  • Die Skudden-Herde — seit 2019 beweidet eine Herde dieser alten, kleinwüchsigen Landschafrasse Teilflächen des Wiesenmeers. Die Beweidung ersetzt streckenweise den Maschineneinsatz und hält die mageren Sandtrockenrasen offen, auf die viele Insektenarten angewiesen sind.
  • Das Flughafengebäude von Ernst Sagebiel — zwischen 1936 und 1941 errichtet, mit einer geschwungenen Front von mehr als einem Kilometer Länge und einer der größten Grundflächen, die je ein Gebäude in Europa hatte. Vom Feld aus sieht man vor allem die auskragenden Hallendächer, unter denen die Maschinen früher trocken abgefertigt wurden.

Was dich erwartet

Das Tempelhofer Feld funktioniert nicht wie ein Park, sondern wie eine Landschaft. Es gibt keinen Rundgang, dem man folgen müsste, keine Blickachse, die einen führt, und außerhalb der Ränder fast keine Bäume. Stattdessen verteilt sich alles auf einer Fläche, die man zu Fuß nicht in einer halben Stunde durchquert: Die Wege sind lang, die Gruppen weit auseinandergezogen, und Geräusche verlieren sich. Das Ergebnis ist eine Stimmung, die zwischen Naherholungsgebiet und Landebahn schwankt — Grillrauch und Bluetooth-Boxen an den Rändern, Stille und Lerchengesang in der Mitte.

  • Offene Wiesenflächen ohne Wegegebot im Innenbereich, bis auf die gesperrten Brutzonen frei begehbar, mit magerem Sandboden, Trockenrasen, Wiesensalbei und Natternkopf.
  • Ein Grillbereich von etwa 2,5 Hektar auf ausgewiesenen Flächen — offenes Feuer außerhalb dieser Zonen ist nicht erlaubt.
  • Ein Hundeauslaufgebiet von rund vier Hektar, eingezäunt und getrennt vom Wiesenmeer, damit die Bodenbrüter ungestört bleiben.
  • Sportflächen am Rand: Skateanlage, Basketballkörbe, Boulebahnen, Tischtennis und eine Minigolfanlage — die meisten davon durch Initiativen und Vereine entstanden, nicht durch eine zentrale Planung.
  • Ein eigener Bereich für Kite-Buggys und Landboards im westlichen Feldteil, wo der Wind über die Bahnen ungebremst durchzieht.
  • Zehn Eingänge rings um das Feld, verteilt auf Ost-, Nord- und Westseite; sie werden abends verschlossen und morgens wieder geöffnet.

Was man unternehmen kann — und für wen

  • Skatende, Longboarder und Kite-Buggy-Fahrende — der fugenarme Betonbelag der Bahnen und der lange Rundweg ergeben eine Trainingsfläche, wie sie in einer Millionenstadt sonst nicht existiert; Windrichtung von West nach Ost ist die Regel.
  • Läuferinnen und Radfahrer — eine Runde entspricht rund sechs Kilometern, damit lassen sich Trainingsdistanzen ohne Ampeln, Kreuzungen und Autoverkehr abmessen.
  • Familien mit kleinen Kindern — Laufrad, Drachen und erste Fahrversuche ohne Stützräder funktionieren hier gefahrlos, weil es weder Bordsteine noch Straßenquerungen gibt; an den Rändern liegen Spielplätze und die Gemeinschaftsgärten.
  • Vogelbeobachtende und Naturinteressierte — von April bis in den Sommer ist der Lerchengesang über den Schutzzonen aus einigen Metern Entfernung gut zu hören; Fernglas mitbringen lohnt sich, das Betreten der Zonen ist in dieser Zeit untersagt.
  • Stadt- und Architekturinteressierte — der Blick vom Feld auf die Sagebiel-Front, die Hangars und die Radaranlagen erklärt die Dimension des alten Flughafens besser als jedes Foto; das Gebäude selbst lässt sich nur im Rahmen gebuchter Führungen betreten.
  • Gruppen, die grillen oder picknicken wollen — die ausgewiesenen Grillwiesen sind groß genug für viele Gruppen gleichzeitig, Schatten gibt es aber nur an den Rändern, also Sonnensegel oder Sonnenschirm einplanen.

Anfahrt & Praktisches

Das Feld liegt auf der Grenze zwischen den Bezirken Tempelhof-Schöneberg und Neukölln und wird von drei Seiten vom Nahverkehr erschlossen. Von Norden und Westen erreicht man es mit der U6 über die Bahnhöfe Platz der Luftbrücke, Paradestraße und Tempelhof; am Bahnhof Tempelhof hält zusätzlich die Ringbahn mit den Linien S41 und S42. Von Osten führt die U8 über Boddinstraße und Leinestraße heran, am Bahnhof Hermannstraße treffen U8 und Ringbahn zusammen — von dort sind es wenige Minuten zu den östlichen Toren. Ergänzend fahren mehrere Buslinien, darunter 104, 184 und 246, an den Rändern entlang. Der Eintritt ist frei, das gilt für die gesamte Freifläche; kostenpflichtig sind ausschließlich gebuchte Führungen durch das Flughafengebäude und einzelne kommerzielle Angebote wie die Minigolfanlage. Geöffnet ist täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, die Torzeiten wechseln also monatlich; im Hochsommer bleibt das Feld bis in den späten Abend zugänglich, im Dezember schließt es am frühen Nachmittag. Für einen Spaziergang mit Blick auf die Bahnen reichen anderthalb Stunden, eine komplette Runde mit Pause sollte man mit zweieinhalb bis drei Stunden ansetzen. Toiletten und Gastronomie gibt es nur an wenigen Randpunkten, Wasser also besser mitbringen.

Wann besuchen

Im Frühling beginnt ab April die Brutzeit: Die Vogelschutzzonen werden abgesperrt, dafür steht die Feldlerche über der Wiese in der Luft und singt oft minutenlang, ohne Pause — das ist der akustisch schönste Moment des Jahres auf dem Feld. Der Sommer ist die lauteste und vollste Zeit; die Grillwiesen sind an Wochenenden gut belegt, dafür bleibt es bis nach 21 Uhr hell und der Wind macht die Hitze erträglicher, weil es auf der offenen Fläche fast immer zieht. Schatten gibt es praktisch keinen, Sonnenschutz ist im Juli und August kein Komfort-, sondern ein Pflichtthema. Der Herbst gehört den Drachen und Kite-Buggys: Von September an frischt der Westwind auf, die Grasflächen färben sich strohgelb, die Menschenmenge dünnt aus, und die tiefstehende Sonne legt sich über die ganze Länge der Bahnen. Im Winter zeigt das Feld seine strengste Seite — Raureif auf dem Beton, Nebelbänke, die die Bahnenden verschlucken, und Tage, an denen man auf 300 Hektar zwei Dutzend Menschen sieht. Wer Wind aushält, bekommt dann die klarste Sicht auf die Berliner Skyline und ein Gefühl für die schiere Größe der Fläche, das im Sommer im Trubel untergeht.

Gut zu wissen

Die Fläche hat eine militärische Vorgeschichte: Schon im 18. und 19. Jahrhundert diente das Tempelhofer Feld der preußischen Armee als Exerzier- und Paradeplatz. 1909 führte Orville Wright hier öffentliche Flüge vor, und 1923 nahm an derselben Stelle der Flughafen den Betrieb auf; 1926 wurde die neu gegründete Deutsche Luft Hansa hier heimisch. Zwischen 1936 und 1941 ließ das NS-Regime nach Plänen von Ernst Sagebiel das riesige Empfangsgebäude errichten, das als Teil der geplanten Umgestaltung Berlins gedacht war und mit seinem über einen Kilometer langen Bogen bis heute den Nordrand bildet. Die entscheidende Rolle spielte Tempelhof 1948/49: Nach Beginn der sowjetischen Blockade West-Berlins am 24. Juni 1948 versorgten die Westalliierten die Stadt bis zum 12. Mai 1949 aus der Luft; Tempelhof war der wichtigste Zielflughafen der Luftbrücke, im dichtesten Takt landete hier alle paar Minuten eine Maschine. 1954 erhielt der Flughafen die beiden Betonbahnen, die heute noch liegen. Der zivile Linienverkehr wanderte 1975 nach Tegel ab, die US-Streitkräfte gaben den Platz 1993 auf, und am 30. Oktober 2008 startete die letzte Maschine. Am 8. Mai 2010 öffnete die Fläche als Park — allein am ersten Wochenende kamen rund 235 000 Menschen. Als der Senat Teile des Randes bebauen wollte, setzte die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“ einen Volksentscheid durch: Am 25. Mai 2014 stimmten 64,3 Prozent der Abstimmenden für den vollständigen Erhalt, rund 738 000 Ja-Stimmen übersprangen das nötige Quorum deutlich. Das daraus hervorgegangene Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes trat am 25. Juni 2014 in Kraft und verbietet die Bebauung der Fläche. Ein Erbe des Flugbetriebs beschäftigt die Stadt bis heute: Aus den Treibstoffanlagen der Jahre 1923 bis 1945 stammen Verunreinigungen des Grundwassers, deren Sanierung 2021 begonnen hat.

Besuchertipps

  • Die Windrichtung entscheidet über den Besuch: Auf der offenen Fläche gibt es keinen Windschatten, deshalb ist eine leichte Jacke selbst an warmen Tagen sinnvoll — und im Winter wirkt der Wind über dem Beton deutlich kälter als das Thermometer verspricht.
  • Für den Sonnenuntergang stellt man sich an das westliche Ende einer der beiden Bahnen: Die Bahnachse zeigt fast genau nach Westen, dadurch versinkt die Sonne im Sommerhalbjahr in der Verlängerung der Piste.
  • Von April bis August sind die abgesteckten Brutflächen tabu, auch für Hunde und Drachenschnüre — Lerchennester liegen offen im Gras und sind aus zwei Metern Entfernung nicht zu erkennen. Wer den Gesang hören will, bleibt am Rand der Absperrung stehen; näher muss man gar nicht heran.

Fragen & Antworten

Kostet der Eintritt etwas? Nein, die gesamte Freifläche ist frei zugänglich. Nur gebuchte Führungen im Flughafengebäude und einzelne kommerzielle Angebote auf dem Gelände sind kostenpflichtig.

Wie groß ist das Tempelhofer Feld genau? Das Areal umfasst 355 Hektar; die eigentliche offene Fläche mit den beiden Bahnen und dem Rollweg macht davon rund 300 Hektar aus. Damit gehört es zu den größten innerstädtischen Freiflächen weltweit.

Wann ist geöffnet? Täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die Tore werden entsprechend monatlich umgestellt, im Juni bleibt das Feld also mehrere Stunden länger offen als im Dezember. Die aktuellen Torzeiten hängen an jedem Eingang aus.

Kann man das alte Flughafengebäude besichtigen? Nur im Rahmen gebuchter Führungen. Vom Feld aus ist die Front frei zu sehen, das Innere mit der Abfertigungshalle und den Hangars ist nicht frei zugänglich.

Darf man Hunde mitnehmen? Ja, an der Leine. Zusätzlich gibt es ein eingezäuntes Auslaufgebiet von etwa vier Hektar. Die Vogelschutzzonen sind von April bis August für alle gesperrt, Hunde eingeschlossen — dort brüten Bodenbrüter direkt im Gras.

Darf man grillen? Ja, aber ausschließlich auf den ausgewiesenen Grillflächen von zusammen etwa 2,5 Hektar. Außerhalb dieser Zonen ist offenes Feuer nicht erlaubt, und der eigene Müll muss wieder mitgenommen werden.

Warum wurde hier nie gebaut? Weil die Berliner das 2014 per Volksentscheid so entschieden haben. Das am 25. Juni 2014 in Kraft getretene Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes schließt eine Bebauung aus; Änderungen wären nur über eine Gesetzesänderung möglich.

Wie viel Zeit sollte man einplanen? Für einen Spaziergang über eine Bahn und zurück etwa anderthalb Stunden. Wer die komplette Sechs-Kilometer-Runde geht, die Gemeinschaftsgärten anschaut und eine Pause macht, ist zweieinhalb bis drei Stunden unterwegs. Mit dem Rad ist die Runde in gut zwanzig Minuten zu schaffen.

Gibt es Schatten und Wasser vor Ort? Kaum. Bäume stehen nur an den Rändern, Trinkbrunnen und Gastronomie sind auf wenige Punkte an den Eingängen beschränkt. Für einen längeren Aufenthalt im Sommer gehören Wasser, Kopfbedeckung und Sonnenschutz zur Grundausstattung.

Gästebewertungen

  1. Jurij Vaskan

    Ein ruhiger Ort. Manchmal fahren die Leute Fahrrad, Skateboard usw. Ich empfehle diesen Ort.

  2. Анна Кривоконь

    Der beste Ort in Berlin für alle Arten von Sport, für ein Picknick und einfach zum Abhängen! 😉

  3. Yurii Photo

    Der Ort ist ein Paradies für Radfahrer! Auch für Läufer ist es ein Paradies. Die Leute kommen sogar zum Picknicken hierher. Sie grillen Schaschlik und Speck.
    Das Tempelhofer Feld kann man mit einer Steppe vergleichen, ma…

  4. Лора Касимова

    Wir haben Ostern 2022 zusammen mit Ukrainern gefeiert, die wie wir in Berlin gelandet sind. Na ja, wie gefeiert…. Wir haben Osterbrot (Pascha) und gefärbte Eier gegessen, Neuigkeiten und unsere Geschichten aus der vom…

  5. Олександр Гордійчук

    Ein mega weitläufiger Ort zum Entspannen und Spazieren, wo man verschiedene Sportarten ausüben kann!

Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 07:55:24

Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: berlinname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

Get in Touch

...